Autonome Autos: Versicherer rechnen mit teuren Reparaturen

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Da nach wie vor hohe Schäden reguliert werden müssten, blieben in naher Zukunft auch die Versicherungen "annähernd so teuer wie heute", berichtete die Zeitung unter Berufung auf die Studie, die der GDV am Dienstag vorstellen wollte.

Entwickler von Technologien für selbstfahrende Autos verweisen oft auf Zahlen, wonach rund 90 Prozent der Unfälle im Straßenverkehr auf menschliche Fehler zurückgehen. "Die neuen Systeme machen das Autofahren zwar sicherer, sie verbreiten sich im Fahrzeugbestand aber nur langsam und machen Reparaturen im Schadenfall teurer". Doch eine Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kommt zu einem zumindest finanziell überraschend ernüchternden Ergebnis: In den nächsten knapp 20 Jahren wird die neue Technik nur zu leicht sinkenden Schadensfällen führen.

Der GDV-Prognose zufolge werden dank der neuen Systeme die Entschädigungsleistungen der Kfz-Versicherer bis 2035 im Vergleich zum Jahr 2015 um sieben bis 15 Prozent sinken. "Auf absehbare Zeit hat der technologische Fortschritt also nur geringen Einfluss auf das Schadengeschehen", sagt Bernhard Gause, Mitglied der GDV-Geschäftsführung.

Schäden am Auto werden durch Fahrassistenz nicht maßgeblich geringer, meint die Versicherungswirtschaft. Für die Studie wurden sechs Fahrassistenzsysteme und ihre Auswirkungen auf Kfz-Haftpflichtschäden untersucht: Spurhaltesysteme, Spurwechselassistenten, Notbremsassistenten, Park- und Rangierassistenten, Autobahnpiloten und Piloten auf Stadt- und Landstraßen. Die Versicherer gehen deshalb davon aus, dass sich mit den Assistenten bestenfalls 56 Prozent der Haftpflichtfälle und 27 Prozent der Schäden, die von einer Kaskoversicherung abgedeckt sind, vermeiden lassen.

Besonders wirksam sind der Berechnung zufolge Notbrems-Assistenten sowie Park- und Rangier-Assistenten, die bis 2035 jeweils zu Einsparungen von fünf bis zehn Prozent führen könnten. Zudem gäbe es zahlreiche Versicherungsschäden, die auch durch Assistenzsysteme nicht zu verhindern sind, etwa Hagelschäden oder Steinschlag.

Für die Studie sind vier Fahrer-Assistenzsysteme relevant: Park- und Rangierassistent, Notbremsassistent, Spurwechselassistent und Spurhaltesysteme.

Die neue Technik verhindert in der Praxis weniger Schäden als in der Theorie. Im besten Fall könnte es so schnell wie beim ESP gehen, das 20 Jahre nach seiner Entwicklung immerhin schon in 80 Prozent der Fahrzeuge verfügbar war. Im Rahmen der Studie wurde in einem weiteren Schritt für jedes betrachtete System ermittelt, welcher Teil der Schäden unter realen Bedingungen im Straßenverkehr tatsächlich vermieden werden könnte (Effizienz) und wie häufig die Fahrer die vorhandenen Systeme überhaupt einsetzen (Nutzungsgrad).

Zusätzliche Technik macht Reparaturen teurer. "Wir haben einen Bestand von 40 Millionen Fahrzeugen, der erst umgewälzt werden muss".

Der Tausch einer Windschutzscheibe wird durch Assistenzsysteme um bis zu 30 Prozent teurer.

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