Trump bietet sich für die Katar-Krise als Vermittler an

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Saudi-Arabien fühlt sich nach dem Besuch von US-Präsident Trump als Gewinner im Ringen um die Vormachtsstellung in der Region.

Knapp drei Wochen später ist in der Golf-Region die schwerste diplomatische Krise seit Jahren ausgebrochen, und nicht wenige sehen Trump als entscheidenden Katalysator.

Saudi-Arabien und seine Verbündeten Bahrain, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten am Montag die diplomatischen Beziehungen zu Katar überraschend abgebrochen sowie den Verkehr über Luft-, Wasser- und Landwege eingestellt. Am Dienstag schlossen sich Jordanien und Mauretanien dem Boykott Katars an. Damit ist der Gastgeber der Fußball-WM 2022 isoliert. Saudische Medien starteten eine aggressive Kampagne, die Katar vorwarf, Terrorgruppen mit Verbindungen zu Al-Kaida und der Terrormiliz Islamischer Staat zu unterstützen - und damit die Region zu destablisieren und Verbündeten in den Rücken zu fallen. Gleichzeitig stoßen sie sich an den angeblich guten Beziehungen Qatars zum schiitischen Iran.

Saudi-Arabiens Außenminister Adel al-Jubeir hat konkrete Forderungen an Katar formuliert, um die Krise am Golf zu beenden. Sie alle würden von dem Golf-Emirat finanziert oder seien dort ansässig und hätten Kontakte zu Terroristen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Zugleich erklärte er allein den Iran zur Wurzel allen Übels. Russland mische sich prinzipiell nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten ein, sagte er der Agentur Interfax zufolge. Im Pentagon, so schreibt die "New York Times", war man entsetzt über Trumps ungestüme Bemerkungen über Katar. Präsident Donald Trump werde mit allen Beteiligten sprechen, um die Situation zu beruhigen. In Katar befindet sich zudem ein wichtiger US-Militärstützpunkt. Auf der Luftwaffenbasis Al Udeid sind mehr als 10.000 amerikanische Soldaten stationiert. Katars Außenminister Mohammed bin Abdulrahman al-Thani rief im Fernsehsender Al-Dschasira zu einem "offenen und ehrlichen" Dialog auf, um die Krise beizulegen. Am Mittwoch empfängt der SPD-Politiker seinen saudi-arabischen Amtskollegen zum Gespräch - einen Tag nach dem Chefdiplomaten Katars.

Katar bestreitet seine Unterstützung für Terroristengruppen in Syrien und anderen Ländern trotz vermehrter Anstrengungen, sunnitische Rebellengruppen zu fördern, die die syrische Regierung des Amtes entheben wollen. Zugleich stellten sie den Flugverkehr nach Katar ein. Der Konflikt könne nur gelöst werden, wenn sich die provozierende und schädigende Politik Katars ändere. "Eine solche Trumpisierung des Umgangs miteinander ist in einer ohnehin krisengeschüttelten Region ganz besonders gefährlich". Öl-Anleger fürchten nach Experten-Einschätzung, dass die Spannungen die Bemühungen des Förderkartells Opec untergraben, die Produktionsmenge zu begrenzen und das weltweite Überangebot einzudämmen.

Bei den prodemokratischen Protesten des sogenannten Arabischen Frühlings im Jahr 2011 hatte der reiche Golfstaat seinen Einfluss dazu genutzt, sich für islamistische Bewegungen in mehreren Staaten einzusetzen. Bereits am Montag hatte das Staatenbündnis Überflugverbote gegen die Airline sowie anderen katarischen Flugzeugen ausgesprochen.

Kunden von Qatar Airways, die von der Aussetzung der Flugverbindungen betroffen sind, können nach Unternehmensangaben ihre Tickets gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgeben oder zu anderen Flugzielen umbuchen. Dennoch reagierte die deutsche Wirtschaft vorerst gelassen auf die Zerwürfnisse auf der Arabischen Halbinsel. RIAD ZIEHT ZÜGEL AN - SEIT TRUMP Saudi-Arabien tritt seit geraumer Zeit aggressiver auf. Dass Trump sich über Twitter schon klar auf die Seite der Saudis geschlagen hat, erschwert seinen Diplomaten die Arbeit.

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