38-jähriger Leo Varadkar als irischer Premier bestätigt

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Bereits Mitte Mai hatte der 66-Jährige seinen Rückzug aus der konservativen Partei Fine Gael angekündigt. Er löst Enda Kenny ab, der gestern zurückgetreten war.

Nun hat Irland auch offiziell seinen ersten schwulen Ministerpräsidenten: Im Dáil Éireann, dem irischen Parlament, wurde heute am Nachmittag der bisherige Sozialminister Leo Varadkar zum 14. Taoiseach der Republik Irland gewählt. Nach einer Abschiedsrede im Parlament am Dienstagabend hatte Kenny seinen Rücktritt bei Präsident Michael Higgins eingereicht. Kenny stand seit Monaten wegen seiner Rolle in einer Schmutzkampagne gegen einen Polizei-Whistleblower unter Druck. Dieser hatte Fehlverhalten von Kollegen enthüllt und angeprangert und wurde daraufhin gemobbt.

Beide Parteien hatten eine große Koalition vor der Wahl ausgeschlossen. Die fragile Minderheitsregierung wird von der ebenfalls konservativen Partei Fianna Fáil unterstützt. 2011 ernannte ihn der damals frisch gewählte Premierminister Kenny zum Verkehrsminister, 2014 wurde der promovierte Arzt Gesundheitsminister, zwei Jahre später wechselte er ins Sozialressort. Die vor der Wahl in der Opposition sitzende Fianna Fail ließ sich die Tolerierung der Minderheitsregierung aber mit der Zusage zusätzlicher Milliardenausgaben und der Abschaffung der Wassergebühren abringen. Fine Gael wurde bei der jüngsten Wahl für den Sparkurs auch abgestraft. Historisch befinden sie sich jedoch in einer Rivalität, da sie aus verschiedenen Lagern des Unabhängigkeitskrieges 1922/23 hervorgingen.

Kenny hielt am Dienstag seine letzte Ansprache als Regierungschef vor dem Parlament in Dublin: "Es ging nie um mich, sondern immer um die Probleme und die Herausforderungen für die Menschen in unserem Land", sagte der bürgerliche Fine-Gael-Politiker.

Kurz nach der Parlamentswahl in Großbritannien und vor dem Beginn der Brexit-Verhandlung hat der neue irische Premier allerdings einen schwierigen Start.

Schon als Jugendlicher interessierte sich Varadkar, den seine Eltern in eine der besten Privatschulen des Landes schickten, für Politik, schrieb sich bei der konservativen Partei Fine Gael ein. Irland legalisierte dann tatsächlich als erstes Land der Welt per Volksentscheid die Ehe für Homosexuelle, Zeichen eines radikalen gesellschaftspolitischen Wandels im einst tiefgläubigen Land.

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