International: Weißes Haus: Verhältnis Trumps zu Merkel "ziemlich unglaublich"

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"Angela Merkel zeigt, wie sich die Anführerin der freien Welt verhalten sollte", schreibt die Journalistin Suzanne Moore. Die Laune war prächtig, samt Böllern, Bier und Trachtenfest. Nach der Rede der Kanzlerin, in der sie mit Blick auf Trump gesagt hatte, man könne sich auf "andere" nicht mehr voll verlassen, schlägt der US-Präsident zurück. "In dieser Deutlichkeit habe ich sie noch nie erlebt, sie muss sehr angefressen sein von diesen drei Tagen Donald Trump".

Vermutlich wollte Trump "coverage" - also Berichterstattung - schreiben, spekulieren User. Möglicherweise reagierte Trump damit auf die Bierzelt-Bemerkungen Merkels.

In Zeiten des Wahlkampfs fallen denkwürdige Sätze bei Merkel nie ohne Bedacht und Absicht.

Derweil versuchte auch Merkel, wieder versöhnliche Töne anzustimmen.

Noch grösseren Dank verdient Trump in den Augen Meads vom neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Nach dem Brexit-Entscheid hatte die Kanzlerin mit Ansagen zur weiteren Vertiefung der EU noch abgewartet. Der US-Präsident hatte für diese Woche eine Entscheidung zum Verbleib der USA im Klimaschutzabkommen angekündigt. Er bemühte sich auch um einen positiven Dreh von Merkels Aussage: Trump habe sein Ziel erreicht, dass die Europäer mehr Eigenverantwortung übernehmen müssten. Das deutsch-amerikanische Verhältnis ist auf einem neuen Tiefpunkt angelangt. "Dies scheint das Ende einer Ära zu sein - einer Ära, in der die USA führten und Europa folgte", zitiert die Zeitung den ehemaligen NATO-Diplomat und Direktor des Chicago Council on Global Affairs, Ivo H. Daalder. Sie betonte am Dienstag die "überragende" Bedeutung der transatlantischen Beziehungen.

Es gehe darum, mit den USA eine echte Partnerschaft zu entwickeln und kein "Vasallentum, das Präsident Trump offensichtlich von uns erwartet". Ihre Bestandesaufnahme ist deswegen, dritte Botschaft, auch ein Warnruf.

In den USA stoßen die Äußerungen Merkels auf ein geteiltes Echo. Das ist nicht überall gleich gut möglich. Europa verfügt kaum über einen "großen Knüppel", um seine Außenpolitik durchzusetzen und seine Sicherheit wird in absehbarer Zukunft weitgehend auf dem US-amerikanischen Engagement auf dem Kontinent abhängen. Und nach einem angespannten Treffen in Brüssel warnte der Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk: "Die größte Aufgabe ist heute die Stärkung der gesamten freien Welt auf Basis von Werte und nicht nur von Interessen". Deutschland und Frankreich haben überdies angekündigt, neue Vorschläge zur Stabilisierung der Währungsunion auszuarbeiten: mehr gemeinsame Investitionen im Tausch für mehr Kontrolle der nationalen Haushalte könnte das Konzept lauten.

Merkel sagte, Europa müsse ein Akteur sein, der sich auch international einmische - etwa in Libyen oder bei der Bewältigung der Flüchtlingsbewegungen in Richtung Europa.

Nach dem G-7-Gipfel und dem ausbleibenden Bekenntnis Trumps zum Pariser Klimaabkommen sowie der Auseinandersetzung über die Handelspolitik hatte Merkel an die Europäer appelliert, ihr Schicksal stärker selbst in die Hand zu nehmen. Das ist die fünfte, etwas versteckte Botschaft.

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