Lehrer sind unzufrieden mit Inklusion

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Die Bedingungen für den Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung seien einfach schlecht. "Inklusion wird nicht gelingen, wenn die Lehrkraft alleine, ohne Unterstützung durch weitere Professionen und nicht ausreichend fortgebildet, in zu großen Klassen und zu kleinen Räumen unterrichten muss", erklärte der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Udo Beckmann. Danach halten deutschlandweit 54 Prozent der Pädagogen einen gemeinsamen Unterricht für sinnvoll, 42 Prozent plädieren für die Unterrichtung Behinderter in Förderschulen. Es seien "massive Investitionen" erforderlich, damit der gemeinsame Unterricht gelinge. Wie eine aktuelle forsa-Befragung unter Lehrkräften aus ganz Deutschland zeigt, lassen die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Inklusion auch an Bayerns Schulen zu wünschen übrig - und das neun Jahre nach in Kraft treten der UN-Konvention. "Die stundenweise Unterstützung muss ein Auslaufmodell werden", forderte Beckmann.

Inklusive Schulen benötigten rasche und unkomplizierte Hilfen: "Sie brauchen jede erdenkliche Unterstützung, um die unterschiedlichen Voraussetzungen der jeweiligen Kinder zu berücksichtigen und entsprechend zu unterstützen, vor allem aber müsse das Vertrauen der Lehrkräfte zurückgewonnen werden". Genau das sei jedoch nach wie vor die Realität an deutschen Schulen. 2015 lag die Akzeptanz noch bei 66 Prozent. Beckmann forderte die künftige Landesregierung auf, einen verlässlichen Plan für die Umsetzung der Inklusion vorzulegen. Die überwältigende Mehrheit (61 Prozent) berichtet von gleichbleibenden Klassengrößen (2015: 65 Prozent). Allein in NRW fehlten aber 7000 Sonderpädagogen.

Viele Lehrer beklagten, dass es für sie keine besondere Vorbereitung auf das inklusive Unterrichten gegeben habe. In Sachsen-Anhalt wird zumindest ein Teil der Schüler mit Handicap seit 2009 in Regelschulen unterrichtet. 75 Prozent der befragten Lehrer gaben an, dass es eine Doppelbesetzung in ihren inklusiven Lerngruppen nicht gebe. Wenige befürchten Nachteile für nicht-behinderte Kinder oder glauben, dass behinderte Kinder überfordert oder frustriert werden. Nach Einschätzung der befragten Lehrer haben diese den höchsten Unterstützungsbedarf, deutlich höher als etwa Kinder mit Problemen in der geistigen Entwicklung und beim Lernen.

Beckmann: "Die Politik sollte vor Scham im Boden versinken, wenn sie hört, was die Lehrkräfte an Gründen gegen Inklusion vorbringen". Eine Auflösung von Sonder- und Förderschulen halten die Lehrer nicht für den richtigen Weg: Bundesweit wollen 59 Prozent der Lehrer, dass alle Förderschulen erhalten bleiben. "Im Interesse aller Kinder müssen wir die verfügbaren Ressourcen möglichst effizient einsetzen". Folglich waren 13 Prozent der Meinung, dass an den allgemeinbildenden Schulen der erhöhte Förderbedarf nicht geleistet werden kann.

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