Trump übt scharfe Kritik an Deutschlands Handelserfolg — EU

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Der "Spiegel" hatte unter Berufung auf Gesprächsteilnehmer ein Zitat Trumps so wiedergegeben: "Die Deutschen sind böse, sehr böse". Das von "Spiegel" und "Süddeutsche Zeitung" berichtete Zitat hatte auf deutscher Seite für schwere Irritationen gesorgt. Trump ist nicht der einzige, der den deutschen Exportüberschuss beklagt.

Juncker gab am Freitag vor dem G7-Gipfel in Taormina indirekt wieder, dass die Worte "the Germans are bad" in dem Gespräch gefallen seien.

Allerdings sei das von Trump in keiner Weise aggressiv vorgetragen worden. "Das muss man richtigstellen, da wird ja übertrieben". Juncker habe sich den Angaben zufolge hinter Deutschland gestellt. Er habe gesagt: "Ich habe ein Problem mit dem deutschen Handel". Die Atmosphäre sei konstruktiv gewesen. "Ich will nicht Teil dieser neuen politischen Kultur des ständigen Durchstechens sein", sagte er. Daraufhin habe er kein Wort gesagt.

An dem Treffen hatten zunächst nur EU-Ratspräsident Tusk und Kommissionspräsident Juncker teilgenommen, später wurde die Runde erweitert. Angela Merkel sitzt beim G7-Gipfel neben Donald Trump, die Kanzlerin hält sich die Hand vor den Mund und flüstert dem US-Präsidenten etwas zu.

Medienberichten zufolge sagte Trump mit Blick auf den deutschen Handelsüberschuss auch: "Schauen Sie sich die Millionen Autos an, die sie in den USA verkaufen. Fürchterlich. Wir werden das stoppen". Ähnliche Aussagen hatte Trump bereits früher öffentlich gemacht, allerdings in weniger drastischen Worten.

Donald Trump neigt dazu, viele Dinge als "bad" zu bezeichnen. Juncker habe sich um einen freundlichen Ton bemüht, sei in der Sache aber hart geblieben. Die mangelnde Beteiligung vieler Staaten sei "nicht fair" gegenüber den amerikanischen Steuerzahlern. Zudem verpflichteten sich die Bündnispartner, künftig jährlich Pläne vorzulegen, wie sie ihre Verteidigungsausgaben erhöhen wollen.

Der Auftritt von Obama mit Merkel am Donnerstag beim Evangelischen Kirchentag in Berlin erinnerte da an andere Zeiten. Der Umgang Trumps mit demokratisch gewählten Bündnispartnern auf dem Nato-Gipfel in Brüssel am Donnerstag sei nicht hinzunehmen. "Was in den Vereinigten Staaten im Wahlkampf passiert ist, darf uns in Deutschland nicht passieren", sagte Schulz.

Wie der Streit zwischen Trump und Ländern wie Deutschland weitergeht, ist völlig unklar. Nach dem Nato-Gipfel, wo er eine als Grußwort geplante Rede zu einem Denkmal für die Attacke auf das World Trade Center für eine Standpauke nutzte, geht auf EU-Ebene jedoch diese Bemerkung der Isolierung um: "America alone". Am Nachmittag hatte sie jedoch unmissverständlich zu Verstehen gegeben, dass sie keinen Handlungsbedarf beim Thema Verteidigungsausgaben sieht. Der Überschuss könne nicht unmittelbar durch wirtschafts- und finanzpolitische Schritte Deutschlands beeinflusst werden. Für die Bundesregierung bedeutet dies allerdings nicht, dass die zwei Prozent im nächsten Jahrzehnt wirklich erreicht werden müssen.

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