Die erste Prognose zur Wahl in NRW

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Eine Niederlage wäre brisant gewesen: Denn in Nordrhein-Westfalen kann - anders als in anderen Bundesländern - nur Ministerpräsident werden, wer ein Landtagsmandat besitzt.

Den Koalitionspartner im Bund, die SPD, mahnte er: "Die Menschen wollen nicht, dass wir monatelang nur Wahlkampf machen". Auch die Enttäuschung war selten so groß: Die Zahl der bedröppelten Gesichter reicht an diesem Abend in der SPD-Zentrale gleich für mehrere Pleiten.

Nun drängt sich der Umkehrschluss auf: Muss sich nach diesem Absturz und angesichts des Fernbleibens jeglichen Schulz-Effektes auch der Kanzlerkandidat seinen Führungsanspruch abschminken? Zugleich trat er dem Eindruck entgegen, bei einer schwarz-gelben Mehrheit sei eine CDU/FDP-Regierung ausgemachte Sache: "Ich bin nämlich nicht der Wunschkoalitionspartner von Herrn Laschet und er nicht meiner". Auf die SPD von Ministerpräsidentin Kraft entfielen 31,2 Prozent.

Bei der Inneren Sicherheit hätte die CDU mit der SPD wieder mehr gemeinsam, obwohl Innenminister Jäger eines der Lieblingsziele konservativer Kritik war: Mehr Polizei, Stärkung der Justiz und eine Ausweitung der Videoüberwachung wären mit einer großen Koalition möglich. Die CDU gehe nun mit "viel Rückenwind in den Bundestagswahlkampf".

Die SPD verlor Stimmen an alle anderen Parteien, alleine 340'000 an die CDU. "Das ist keine Vorentscheidung für die Bundestagswahl". In den vergangenen 50 Jahren hatte fast immer ein SPD-Regierungschef die Zügel in der Hand - das wird sich jetzt zum zweiten Mal nach dem Sieg von Jürgen Rüttgers (2005) ändern.

In THÜRINGEN steht seit 2014 Bodo Ramelow (Linke) einer Koalition mit SPD und Grünen vor, die nur eine Stimme Mehrheit hat.

Dritter wurde die FDP (Liberale) mit 11,9 bis 12,2 Prozent (2012: 8,6). Die Linke verdoppelte ihr Ergebnis gegenüber 2012 nahezu, verpasste mit 4,9 Prozent aber knapp den Einzug in den Düsseldorfer Landtag. Vor fünf Jahren, nach zwei Jahren im Amt, waren den Wahlforschern von Infratest dimap zufolge noch drei Viertel der Rheinländer und Westfalen mit Kraft zufrieden (76 Prozent) - jetzt sind es nur noch 55 Prozent. Sie will damit das Signal senden, sie und nicht Schulz habe die NRW-Wahl verloren.

Rechnerisch ist eine große Koalition, Schwarz-Gelb, ein Ampel-Bündnis oder eine sogenannte Jamaika-Koalition möglich. Die absolute Mehrheit liegt demnach bei 99 Sitzen. Denn wenn sich in der Unionsklientel wieder das alte Gefühl - "Lehnt euch locker zurück, Merkel gewinnt sowieso" - breit macht, dann könnte es am 24. September zur Bundestagswahl ein böses Erwachen geben. Die ist steinig, und die wird hart werden. Er fügte hinzu: "Die FDP ist im Augenblick auch sehr bemüht, unabhängig zu sein". Die CDU habe "seit Wochen gegen uns Wahlkampf gemacht". In den Gesprächen wolle er dann feststellen, "wo es die grössten Gemeinsamkeiten gibt". "Ich empfehle: Wir bleiben einfach cool und behalten die Nerven".

"Schleswig-Holstein ist nicht NRW", sagte Hannelore Kraft nach der für die SPD ungünstigen Landtagswahl in Kiel. "Das steht außer Frage". Allerdings lässt der SPD-Chef mal wieder offen, was das konkret heißt. "Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen", sagte Laschet am Sonntag im WDR auf die Frage, ob Jäger in einer schwarz-roten Regierung wieder auf ein Ministeramt hoffen könnte. Die Sozialdemokraten stürzten gut vier Monate vor der Bundestagswahl auf einen historischen Tiefstand.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) tritt von ihren Parteiämtern zurück. Und das gute Abschneiden der FDP fusst auf einer langen Tradition: Die Partei ist hier, im Westen der Republik, stark verankert - wichtige Figuren der Parteigeschichte stammen aus Nordrhein-Westfalen, so etwa Walter Scheel, der frühere Bundespräsident, Otto Graf Lambsdorff, der frühere Bundeswirtschaftsminister, oder Guido Westerwelle, der frühere Bundesaussenminister.

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