Macron wird neuer Präsident

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Die Kanzlerin freue sich darauf, "im Geist der traditionell engen deutsch-französischen Freundschaft vertrauensvoll mit dem neuen Präsidenten zusammenzuarbeiten". Am Sonntag übernimmt der 39-Jährige die Startcodes für Frankreichs Atombomben. "Auf sehr schlechte Weise, weil viele Bürger nicht aus Zustimmung für ihn gestimmt haben, sondern nur, weil sie die Bedrohung des Front National ausschließen wollten".

Als möglich gilt etwa, dass Le Pen ihren Plan für einen Austritt aus der Eurozone aufgibt, der bei drei von vier Franzosen auf Ablehnung stößt. Die Amtsübergabe ist am kommenden Sonntag. Er will, dass Deutschland zu der Einsicht kommt, "dass seine wirtschaftliche Stärke in der jetzigen Ausprägung nicht tragbar ist".

Macron muss bei den Parlamentswahlen am 11. Juni freilich erst eine Mehrheit mit seiner jungen Bewegung - sie ist erst ein Jahr alt - erreichen. Macron will kurz nach seiner Amtsübernahme nach Berlin fliegen, um Merkel zu treffen. Er wisse um die Gräben innerhalb der Nation, sagte Macron am Sonntagabend. Ihr Abschneiden mit rund 35 Prozent sei historisch, ihre Partei sei nun die wichtigste Oppositionskraft in Frankreich, sagte sie mit Blick auf die bevorstehenden Parlamentswahlen. In Brüssel wird gehofft, dass sich das nach dem für 2019 vorgesehenen EU-Austritt Großbritanniens (Brexit) ändern könnte.

Mit Spannung wird in den europäischen Hauptstädten erwartet, welchen neuen Kurs die Atommacht Frankreich in der Außenpolitik unter Macron steuern wird. Er hat seine Frankreichfahne zuhause gelassen und stattdessen eine Europaflagge um den Hals gebunden. Deswegen hatte es im vergangenen Jahr in Frankreich bereits Massenproteste gegeben.

Braouet sieht eine Gefahr für Macrons Reformagenda.

Deutschland zeigte sich ebenfalls erleichtert über das Ergebnis. "Auch für die deutsch-französischen Beziehungen ist der Ausgang der Wahl ein gutes Zeichen, und Deutschland sollte Macron bei einer Investitionsoffensive in Europa unterstützen". "Wir zählen auf ein Frankreich im Herzen Europas, um die gesamte Union zu verändern und sie näher an die Bürger zu bringen", schrieb der Italiener auf Twitter. "Ich denke halt auch als Künstler viel an die Zukunft Europas". Er plädierte dafür, gemeinsam "für ein stärkeres und gerechtes Europa" einzutreten. Bisher aber hat Macron nur ein Viertel der Franzosen hinter sich. Le Pen habe sich lächerlich gemacht. Sie hat es geschafft, den Front National salonfähig und zur größten Oppositionskraft zu machen. "Du gewinnst das nächste Mal - und ich auch!" Heisst das, dass die Parteien sich nun auch im Parlament mit ihm arrangieren? FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache sprach Le Pen seinen "Respekt zum Achtungserfolg" aus.

Eileen Keller arbeitet am Deutsch-Französischen Institut in Ludwigsburg. Die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl betrug 74,62 Prozent. 32 Prozent blieben zu Hause oder wählten ungültig.

Dass Le Pen aber weiterhin die radikale Kandidatin einer rechtsextremen Gruppierung ist, zeigte sie nicht zuletzt beim TV-Duell, wo sie gehässig und zerstörerisch auftrat. Dagegen hatte Fillon direkt Macron empfohlen. Im April stimmten sie größtenteils für Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon. Damit will sie den FN zu einer "neuen politischen Kraft" machen und sich den Weg an die Macht ebnen. Auch US-Präsident Donald Trump gratulierte dem designierten Amtskollegen in Paris, nachdem er im Wahlkampf auf Le Pen gesetzt hatte.

Auch wenn Le Pen nicht in den Élyséepalast einzieht, hat sie das politische Gefüge in Frankreich maßgeblich auf den Kopf gestellt.

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