Ifo-Forscher empfehlen Anti-Stau-Gebühr für München

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Autos stauen sich in München (Bayern) auf dem Mittleren Ring.

München - München gehört zu den am meisten von Staus geplagten Städten Deutschlands.

München - In vielen Metropolen weltweit soll eine Einfahrgebühr in die Innenstädte den Dauerstau zurückdrängen.

Die am Montag vorgeschlagene "Anti-Stau-Gebühr" sorgt allerdings im Bayerischen Handel und beim ADAC Südbayern für massiven Widerstand. Das besagt zumindest das Ergebnis einer aktuellen Studie des Ifo-Instituts und der Beratungsgesellschaft Intraplan.

Negative Auswirkungen auf Einzelhandel und Tourismus erwarten die Forscher nicht. Sie gehen vielmehr von einer Steigerung der Attraktivität der Innenstadt aus.

So könnten Lieferanten, Taxis oder Logistikunternehmen wieder schneller durch den Verkehr und die Innenstadt kommen. Die Gebühr wäre für Autos, Nutzfahrzeuge und Motorräder gleichermaßen fällig. Ausnahmen soll es dabei nicht geben.

Die ifo-Forscher haben mit ihrer Analyse herausgefunden, dass schon eine tägliche Gebühr von sechs Euro zu einer Reduktion des Autoverkehrs um mehr als 23 Prozent innerhalb des Mittleren Rings in München führen würde. Bei 10 Euro Gebühr wären es den Berechnungen zufolge sogar rund 30 beziehungsweise 41 Prozent. Soziale Härten sollen nach Wunsch der Forscher durch die Einnahmen gefördert werden, etwa durch durch Sozialtickets für öffentliche Verkehrsmittel. Die Forscher gehen davon aus, dass viele Personen wegen der Gebühr auf andere Verkehrsmittel umsteigen würden - insbesondere auf öffentliche. Weiterhin könne das Geld in den Ausbau des Netzes gesteckt werden. Abhilfe wollen die Autoren einer Studie schaffen. Denn die Einnahmen seien zwar ein schöner Nebeneffekt, es gehe aber vordergründig um die Verkehrslenkung und nicht um die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur.

Industrieökonomik und neue Technologien am Ifo-Institut. "Wir vermuten, dass die Ergebnisse auch auf andere staureiche Städte übertragbar sind".

Als besonders staureiche Städte neben München nannte er Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart, Nürnberg, Köln, Hannover, Bremen und Frankfurt. Eine Gebühr müsste aber immer an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden, sagte Falck.

Zahlen sollen nicht nur Fahrer von außerhalb, sondern auch Bewohner des rund 44 Quadratkilometer großen Gebiets, in dem die Gebühr erhoben würde - sofern sie ihr Auto bewegen. Während in München 460 Autos auf 1000 Einwohner kommen, sind es in Berlin nur 326. "Daran arbeiten wir intensiv".

Über die technische Umsetzbarkeit haben sich die Autoren noch keine konkreteren Gedanken gemacht. Eine solche Grundlage liege aber weder auf Bundes- noch auf Landesebene vor.

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