"Reifeprüfung" bestanden - Zverev will ins US-Open-Finale

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Alexander Zverev ist mit einer beeindruckenden Vorstellung erstmals ins Viertelfinale der US Open eingezogen. Dieser zeigt sich beeindruckt.

Der Hamburger Alexander Zverev will die Gunst der Stunde nutzen und vielleicht sogar die US Open gewinnen.

Sein Versprechen, sich in Quarantäne zu begeben, war offensichtlich schon wenige Tage später nichts mehr wert. Schon nach 58 Minuten gewann er den zweiten Satz. Auch gegen den Kroaten Borna Coric oder den Australier Jordan Thompson wird Zverev jetzt Favorit sein. Denn die Saison hielt so einige Volten bereit: den verkorksten Jahresauftakt beim ATP Cup in Australien, dann aber das erste Major-Halbfinale bei den Australian Open gegen Thiem, die fatale Adria Tour mit Verstößen gegen Hygiene-Empfehlungen mitten in der Coronavirus-Krise, die Erkrankung seines Vaters, aber auch die Verpflichtung des neuen spanischen Trainers David Ferrer. "Thiem ist ein Spieler, der keine Geschenke macht". Es gab genügend Grund, heute mal einen Schläger zu zerhacken oder mal rumzuschreien oder mal die Schultern hängen zu lassen. "Er hat die Balance nicht bei den Grundschlägen", lautete die zwischenzeitliche Analyse des dreimaligen Wimbledonsiegers Boris Becker im TV-Sender Eurosport. Bei den US Open in New York, die aufgrund der Coronaviruspandemie vor leeren Rängen stattfinden, stellt sich dem Niederösterreicher im Spiel um die erste Majortrophäe der Deutsche Alexander Zverev in den Weg. Der 23-jährige Hamburger setzte sich am Sonntag problemlos gegen den Spanier Alejandro Davidovich Fokina 6:2, 6:2, 6:1 durch.

Nun drehte Zverev zum ersten Mal in seiner Karriere einen 0:2-Satzrückstand und zog als erster deutscher Tennisspieler seit Michael Stich 1994 in Flushing Meadows in das Finale ein. "Ich will hier definitiv nicht aufhören". Zwei der drei Tie-Breaks in den Runden zuvor verlor der Deutsche schließlich, der auch bei den Australian Open 2020 in erster Linie in den Tie-Breaks den Finaleinzug verspielte. Zverev ist der erste deutsche Herren-Halbfinalist bei den US Open seit Boris Becker 1995. Die beiden an Nummer drei (Thiem) und Nummer fünf (Zverev) gesetzten Profis profitieren bei ihrem Aufeinandertreffen sicherlich auch ein bisschen von der Disqualifikation der Nummer eins der Weltrangliste, Novak Djokovic, der vom Wettbewerb disqualifiziert wurde, weil er eine Linienrichterin unabsichtlich abschoss. "Es wird", hatte Zverev nach dem Rauswurf von Djokovic lapidar festgestellt, "einen neuen Grand-Slam-Champion geben". Das ist das Einzige, was ich gerade weiß.

Das Finale zwischen Alexander Zverev und Dominik Thiem ist im Livestream im "Eurosport Player" zu sehen.

Nun wird Djokovic alle seine Weltranglistenpunkte von den US Open und das bislang verdiente Preisgeld verlieren, wie der amerikanische Tennisverband mitteilte. "Ich habe mehr Erfahrung, vielleicht bin ich in den Grand Slams auch ein bisschen ruhiger als in der Vergangenheit". Er antwortete: "Leider war die Frage zu emotional für mich, denn ich muss sofort an meinen Vater denken, und ich hoffe, er wird es sehr genießen". Oder, wie es Boris Becker nach einer Live-Schalte mit Zverev formulierte: "Ich nenne das mal Reifeprüfung".

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