Commerzbank erwartet 2020 Verlust - Quartalszahlen

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Grund dafür ist zum einen die erhöhte Prognose für die Risikovorsorge und zum anderen der stärkere coronabedingte Druck auf die Erträge im Geschäft mit Firmenkunden, wie die Bank am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Zuletzt hatte die Frankfurter Bank wie in den Vorjahren einen Gewinn angepeilt, dieses Ziel aber angesichts des Umfelds und der Kosten für die Neuausrichtung als "sehr ambitioniert" eingestuft. Per 30. Juni 2020 lag die Bank mehr als 300 Basispunkte über der regulatorischen Anforderung an das harte Kernkapital ("MDA-Schwelle"), die sie durch die erfolgreiche Emission von AT-1- und Tier-2-Kapitalinstrumenten im zweiten Quartal von 10,8 Prozent auf 10,1 Prozent senken konnte. Es handelt sich aber vermutlich um einen Kredit, den die Bank dem wohl kriminell agierenden und inzwischen insolventen Konzern Wirecard gewährt hatte.

Die Commerzbank musste im zweiten Quartal auch 175 Millionen Euro auf ein Einzel-Engagement abschreiben. Hier hatten Analysten aber mit einer Halbierung gerechnet. Die Commerzbank muss sich wegen der Corona-Krise auf höhere Kreditausfälle einstellen. Allein die Banking-App der Commerzbank hatte im Juni fast 1,6 Millionen aktive Teilnehmer. Bei einer Risikovorsorge von 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro erwartet sie unter Berücksichtigung möglicher Restrukturierungsaufwendungen nun einen Nettoverlust im Gesamtjahr. Im Vorjahreszeitraum hatte unterm Strich noch ein Gewinn von 401 Millionen Euro gestanden. Das Vorsteuerergebnis belief sich auf 211 Millionen Euro (Q2 2019: 329 Millionen Euro). Das operative Ergebnis ist allerdings durch das Risikoergebnis belastet worden. Und was für ein Verhältnis sie zu dem erst am Dienstag offiziell eingesetzten neuen Aufsichtsratschef der Bank, Hans-Jörg Vetter, habe.

Ursprünglich wollte die Commerzbank am Mittwoch auch eine neue Strategie vorstellen, um wieder profitabler zu werden.

Am Montag war es der Bank immerhin gelungen, eine Spitzenpersonalie zu klären. Der nach dem Bund zweitgrößte Aktionär, der Finanzinvestor Cerberus, hatte die beiden mit öffentlich geäußerter Kritik an der Unternehmensausrichtung quasi vom Hof gejagt. Die Pläne für einen verschärften Sparkurs liegen auf Eis, bis ein neuer Vorstandschef oder eine neue Vorstandschefin gefunden ist. Investoren und Aufsichtsräte pochen auf einen geordneten Prozess: Erst soll die Konzernspitze neu besetzt werden. Auf die Frage, ob sie eine Kandidatin für den Vorstandsvorsitz sei, sagte Orlopp: "Kein Kommentar". Die spannendste Frage aber ist: Wer wird neuer Chef?

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