Facebook-Geschäft wächst langsamer - netzwelt

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Firmenchef Mark Zuckerberg sah sich bei der Vorlage aktueller Quartalszahlen zu einer für ihn ungewöhnlichen Verteidigungsrede gezwungen. Der überwiegende Teil der Facebook-Nutzung bestehe darin, dass Menschen ihre täglichen Erlebnisse mit Freunde teilten, sich unterhaltsame Inhalte anschauten oder Sachen kauften und verkauften, argumentierte er.

Während Analysten für das schwierige zweite Quartal, das natürlich ganz im Zeichen der Corona-Krise stand, einen Umsatz in Höhe von rund 17,3 Milliarden US-Dollar erwarteten, schaffte das soziale Netzwerk 18,687 Milliarden US-Dollar und konnte damit im Jahresvergleich sogar um gut 12 % zulegen - und das obwohl im Juni und Juli zahlreiche große Werbekunden wie Coca Cola, Adidas, Ford, Levi's oder Unilever dem Netzwerk zweitweise den Rücken kehrten und zum Boykott aufriefen. In den ersten Juliwochen war ein ähnliches Wachstum zu verzeichnen.

Pro Monat zählt das Netzwerk mehr als 2,701 Milliarden aktive Nutzer, wovon die meisten sogar aus dem asiatischen Raum stammen.

Während die Werbeeinnahmen nicht mehr sprudeln wie zuletzt, steigen die Nutzerzahlen weiter an. Täglich greifen immerhin etwa 1,785 Milliarden Nutzer auf die Dienste zurück, womit auch von Quartal zu Quartal die Zahlen weiter steigern. Vor der Krise waren in Facebooks Geschäft Wachstumsraten von über 20 Prozent an der Tagesordnung.

Mindestens ein Facebook-Produkt - zur Gruppe gehören auch die Instagram-Fotoplattform und der WhatsApp-Chat-Service - besuchte monatlich 3,14 Milliarden Nutzer. Allerdings warnte Facebook, dass sich das Wachstum der Nutzerzahlen vermutlich abschwächen werde, wenn die Ausgehbeschränkungen in verschiedenen Weltregionen gelockert werden. Damals wurde das Ergebnis allerdings unter anderem von einer Zahlung von zwei Milliarden Dollar nach Ermittlungen der Verbraucherschutzbehörde FTC belastet.

Zuckerberg kritisierte, dass geplante Maßnahmen zur Verfolgung der Webnutzung für Werbezwecke nicht nur Facebook, sondern auch viel mehr kleine Unternehmen betreffen würden, da ihre Anzeigen weniger effizient wären. "Ist es wirklich das, was die Politik inmitten von Pandemie und Rezession will?" Facebook verweist unter anderem auf die geplanten Vorkehrungen zum Schutz der Privatsphäre in der nächsten Version des iOS-Betriebssystems von Apples iPhones, deren Folgen für das Werbegeschäft man noch nicht abschätzen könne.

Die britische Investmentbank Barclays erhöhte das Kursziel für Facebook von 275 USD auf 285 USD und ließ es übergewichtet. Umsatz und Betriebsergebnis (EBITDA) übertrafen die Erwartungen, schrieb Analyst Ross Sandler in einer am Freitag veröffentlichten Studie.

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