Todesurteil gegen den Bostoner Bombenattentäter aufgehoben

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Boston: Ein US-Berufungsgericht hat das Todesurteil gegen den sogenannten "Boston-Bomber" Dschochar Zarnajew gekippt.

Wie aus Gerichtsunterlagen vom Freitag (Ortszeit) hervorgeht, ordneten die Richter an, dass über das Strafmaß neu entschieden werden müsse. Selbst wenn dabei die Aufhebung des Todesurteils bestätigt werden sollte, würde Zarnajew zumindest zu lebenslanger Haft verurteilt werden, erklärte das Berufungsgericht.

Der heute 27-jährige Tsarnaev war Mitte Mai 2015 zum Tode verurteilt worden. Die einzige Frage sei, ob er hingerichtet werde oder nicht.

Tsarnaev und sein älterer Bruder Tamerlan hatten im April 2013 zwei Sprengsätze im Zielbereich des Wettlaufs gezündet. Drei Menschen wurden bei dem schwersten Terroranschlag in Amerika seit dem 11. September 2001 getötet, mehrere der 264 Verletzten verloren Arme oder Beine. Dschochar Zarnajew wurde kurz nach dem Anschlag schwer verletzt gefasst.

Bei einer tagelangen Verfolgungsjagd wurden Tamerlan Zarnajew und ein Polizist getötet.

Obwohl Massachusetts die Todesstrafe bereits in den frühen 1980er Jahren abgeschafft hatte, konnte Zarnajew zum Tode verurteilt werden. Grund: Er wurde nach Bundesrecht vor Gericht gestellt.

Es sei nur der Teil des Urteils aufgehoben worden, der sich mit den Anklagepunkten der Todesstrafe befasst, hieß es. Das Bezirksgericht habe "Vorurteile oder Befangenheit" nicht erkennen können, weil es potenziellen Geschworenen die Möglichkeit verweigert habe, inhaltliche Fragen zu dem zu stellen, was sie über den Fall gelesen und gehört hätten. Die Verteidigung beschrieb ihn als Mitläufer unter dem Einfluss seines Bruders.

In der Begründung schrieb Richter O. Rogeriee Thompson, im Prozess gegen Zarnajew habe es der zuständige Richter "versäumt", das Auswahlverfahren für die Geschworenen durchzuführen.

Erst nach dem Todesurteil hatte er überraschend Reue gezeigt. Er bete zu Allah, dass der ihm gnädig sei.

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