Boeing stellt 2022 Produktion von Jumbo Jet 747 ein

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Im abgelaufenen Quartal verbuchte der Konzern einen höheren Verlust als befürchtet. Außerdem wurde das Modell zuletzt praktisch nur noch in der Frachtversion gebaut - und in einer Sonderversion für den US-Regierungsjet "Air Force One".

Dabei war es gerade die 747 als Boeings Flaggschiff, die Flüge auf Fernstrecken erst für eine große Zahl an Menschen erschwinglich machte. Der Boeing-Konkurrent Airbus hatte im Februar 2019 das Aus für seinen Riesenflieger A380 verkündet, der die Boeing 747 als größtes Passagierflugzeug der Welt abgelöst hatte.

Boeing wird ab 2022 die Produktion des Jumbojets 747 einstellen.

Für viele Fluggesellschaften sind so große Flugzeuge allerdings angesichts des hohen Treibstoffverbrauchs nicht mehr rentabel. Der Umsatz fiel verglichen mit dem Vorjahreswert um ein Viertel auf 11,8 Milliarden Dollar. Der europäische Flugzeugbauer hatte damit die Konsequenzen aus der fehlenden Nachfrage nach dem doppelstöckigen Riesenjet gezogen. Unter dem Strich stand im zweiten Quartal ein Verlust von rund 2,4 Milliarden US-Dollar (gut 2 Milliarden Euro), nachdem das Flugverbot für den Mittelstreckenjet 737 Max ein Jahr zuvor bereits ein Minus von 2,9 Milliarden Dollar verursacht hatte.

Die Produktion der 787 solle 2021 auf sechs Jets pro Monat verringert werden, kündigte der Boeing-Chef an. Auch die Herstellung der 777 und der 777X solle weiter auf dann zwei Jets im Monat gedrosselt werden. Konzernchef Calhoun sagte, das Unternehmen arbeite eng mit den Fluggesellschaften und den Zulieferern zusammen, um die Krise zu bewältigen. "Die Herausforderungen, denen wir als Unternehmen gegenüber stehen, sind nicht ausgestanden". "Der Luftverkehr hat sich immer als widerstandsfähig erwiesen - genau wie Boeing", erklärte Calhoun. Angesichts der Entwicklung in einigen US-Bundesstaaten und anderen Teilen der Welt ist keine rasche Erholung in Sicht. Die Produktionskürzungen würden sich auch auf die Arbeitsplätze auswirken, stimmte Calhoun die Belegschaft auf weitere Jobverluste ein.

Hoffnung gibt es zumindest beim wichtigsten Modell 737 Max, das wegen zweier Abstürze mit insgesamt 346 Toten seit über einem Jahr nicht starten darf und nicht ausgeliefert werden kann.

Die 737-Max-Unglücke haben zudem das Vertrauen in Boeing erschüttert und enorm am Image des Unternehmens gekratzt, das bis zu den Abstürzen als erfolgsverwöhnter Vorzeigekonzern und Triebkraft der US-Wirtschaft galt. Als Unfallursache wurde in den bisherigen Untersuchungsberichten eine defekte Steuerungssoftware ausgemacht.

Bezüglich der Boeing 737-Max geht die Konzernspitze davon aus, das sehr bald eine Widerzulassung erteilt wird.

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