Minus 33 Prozent: Historischer Konjunktursturz in den USA | BR24

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Trump drängt trotz des Ausmaßes der Pandemie in den USA auf eine rasche Normalisierung des Wirtschaftslebens. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland brach im zweiten Quartal zweistellig ein. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 10,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden in einer ersten Schätzung mitteilte.

Als krisenresistent erwies sich laut Wifo hingegen die wirtschaftliche Dynamik der Bereiche Information und Kommunikation, Kredit- und Versicherungswesen, Grundstücks- und Wohnungswesen sowie öffentliche Verwaltung. Deutschland befindet sich damit in einer Rezession.

Volkswirte gehen davon aus, dass die Konjunktur im zweiten Halbjahr anzieht, vorausgesetzt die Infektionszahlen steigen nicht wieder deutlich an. Es werde aber mindestens bis in den Herbst hinein dauern, "bis wir in der ganzen Breite der Wirtschaft wieder zu Wachstum kommen".

Die Folgen der Krise für den Arbeitsmarkt halten sich bislang in Grenzen. Im Juli waren 2,91 Millionen Menschen ohne Job, 57.000 mehr als im Juni und 635.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote legte binnen Monatsfrist um 0,1 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent zu. Vor den Sommerferien stellen weniger Betriebe neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein und Ausbildungsverhältnisse enden. Der April war der erste Monat, in dem sich die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie über den gesamten Monat auf die konjunkturelle Entwicklung ausgewirkt haben. Die Importe lagen um 15,3 Prozent unter Vorjahr, sodass der Außenbeitrag die Gesamtwirtschaft dämpfte. Vor der Pandemie hatte sie noch bei extrem niedrigen 3,5 Prozent gelegen. Die Wirtschaftsleistung in der größten Volkswirtschaft der Welt brach im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet einer ersten Schätzung zufolge um 32,9 Prozent ein. Das war der tiefste Einbruch seit Beginn der Aufzeichnungen.

In den USA werden Wachstumszahlen auf das Jahr hochgerechnet. Diese Betrachtungsweise ist bei großen Ausschlägen wie im zweiten Quartal allerdings missverständlich. Nach der in Europa gebräuchlichen Berichtsweise im Quartalsvergleich entspräche das umgerechnet etwa einem Minus von fast 10 Prozent.

"Die US-Wirtschaftsleistung ist im zweiten Quartal erwartungsgemäß in einem historischen Ausmaß geschrumpft", ergänzte Uwe Burkert von der LBBW. Die Zuspitzung der Pandemie ab Mitte März stürzte die USA dann in eine schwere Wirtschaftskrise. In der zweiten Maihälfte und im Juni gab es bereits Zeichen einer Erholung. Seit Ende Juni hat die Zahl der Neuinfektionen aber wieder dramatisch zugenommen, was zu neuerlichen Einschränkungen des Wirtschaftslebens geführt hat und das Wachstum erneut ausbremsen dürfte. Die USA sind einer der wichtigsten Einzelmärkte für Waren "Made in Germany". Für Frankreich ging das Pariser Statistikamt Anfang Juli in einer vorläufigen Annahme von einem Einbruch von 17 Prozent im zweiten Quartal aus, erwartete aber fürs Sommerquartal schon wieder 19 Prozent Anstieg.

Die US-Wirtschaft ist wegen der Corona-Krise drastisch eingebrochen. "Dies ändert aber nichts daran, dass die deutsche Wirtschaft noch lange brauchen wird, um ihr Vorkrisenniveau wieder zu erreichen", argumentierte beispielsweise Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

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