Demonstranten verbrennen in New York US-Fahnen

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Anlässlich des Unabhängigkeitstages steht US-Präsident Trump am Rushmore-Denkmal.

Statt eine versöhnliche Botschaft zu senden oder Zuversicht in Zeiten der Krise zu verbreiten, setzte Trump auf Spaltung, Wut und Angst. Doch Trump sieht sich nicht nur Kritik wegen seines Umgangs mit der Corona-Krise ausgesetzt, in der sein Augenmerk vor allem auf der Wirtschaft liegt.

Auch wenn Trump das Virus weiter herunterspielt, im Weißen Haus scheint man sich beim Anti-Masken-Freiheitskampf nicht mehr ganz so sicher zu fühlen. Ein ähnliches Bild hatte sich am Vorabend im US-Bundesstaat South Dakota gezeigt. Sorgen vor neuen Coronavirus-Ansteckungen zum Trotz nahm Trump an der Veranstaltung vor beeindruckender Kulisse teil: Über der Bühne thronte das monumentale Nationaldenkmal von Mount Rushmore - der Gebirgsfels mit den in Stein gemeißelten Köpfen von vier Ex-Präsidenten.

An diesem 4. Juli waren 131.732 Menschen an den Folgen des Virus gestorben, die Krankenhäuser in Texas näherten sich der Belastungsgrenze und der Bezirk Miami-Dade in Florida schloss für das Feiertagswochenende wieder seine Strände und verhängte eine nächtliche Ausgangssperre.

Der Nationalfeiertag der USA am 4. Juli, der auf die Unabhängigkeitserklärung 1776 zurückgeht, wird traditionell mit Paraden, Partys und Feuerwerk gefeiert. In diesem Jahr steht er im Schatten der Coronavirus-Pandemie und landesweiten Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd. Ironischer-, ja eigentlich tragischerweise hatte kurz vor Donald und Melania Trumps Ankunft am Mount Rushmore die Johns-Hopkins-Universität einen neuen Höchststand der täglichen Corona-Neuinfektionen in den USA vermeldet.

Trump spielte die Tragweite der Situation am Samstag erneut herunter.

Stattdessen sagte Trump vor dicht gedrängten Zuschauern, die größtenteils keine Schutzmaske trugen, die USA seien das "großartigste Land in der Geschichte der Welt" und dass es "bald" großartiger als je zuvor sein werde. Auch den Schmerz über die fast 130.000 Toten, die die USA seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung zu beklagen haben, bedachte er nicht. Trump behauptete, dass 99 Prozent der gefundenen Fälle "komplett harmlos" seien.

Anlässlich des Unabhängigkeitstages steht US-Präsident Trump am Rushmore-Denkmal
6 Anlässlich des Unabhängigkeitstages steht US-Präsident Trump am Rushmore-Denkmal

Insgesamt wurden in den USA mehr als 2,8 Millionen Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 nachgewiesen. Gesundheitsexperten widersprechen Trumps Darstellung, dass dies nur das Ergebnis der vielen Tests sei. Begeistern soll sie auch Trumps Forderung, China müsse für das Virus "zur Verantwortung gezogen" werden.

Trump machte in seiner Rede keinen Unterschied zwischen friedlichen Demonstranten und Unruhestiftern. Die "amerikanischen Helden" hätten die Nazis, Faschisten, Kommunisten und Terroristen besiegt, amerikanische Werte gerettet und Prinzipien hochgehalten, sagte Trump. "Wir sind jetzt dabei, die radikale Linke, die Marxisten, die Anarchisten, die Unruhestifter und und Plünderer zu besiegen", sagte er. "Wir werden niemals zulassen, dass ein wütender Mob unsere Statuen niederreißt oder unsere Geschichte auslöscht", so Trump. Die Werte, Traditionen, Bräuche und Überzeugungen würden beschützt. Trump ist ein Dorn im Auge, dass in mehreren Städten bei Protesten Statuen in Frage gestellt oder gestürzt wurden, die historische Figuren darstellen, die mit Rassismus in Verbindung gebracht werden. Auch lehnt Trump eine Änderung umstrittener Namen von Militärbasen ab.

Nach seinem misslungenen Corona-Management gerät US-Präsident Donald Trump zunehmend unter Druck. Trump sagte: "Wir werden die amerikanische Lebensart verteidigen, beschützen und bewahren, die 1492 begann, als Kolumbus Amerika entdeckte".

Am Abend des Unabhängigkeitstages rissen Demonstranten in Baltimore an der Ostküste der USA laut Medienberichten eine Kolumbus-Statue von ihrem Sockel und warfen sie im Hafen ins Wasser.

Proteste in der Nähe des Weißen Hauses in Washington. "Sie" wollten "uns" zum Schweigen bringen, lamentierte auch Trump in South Dakota. Umfragen sehen den designierten Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Joe Biden, in Führung.

Bei den Umfragen ist Vorsicht geboten, wie die Wahl 2016 zeigte. Kimberly Guilfoyle soll laut Aussage eines Trump-Mitarbeiters positiv getestet worden sein, bevor sie an der Veranstaltung am Freitag teilnahm.

Biden adressierte das Anliegen der Demonstranten in einer Videobotschaft zum Unabhängigkeitstag.

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