Hungerstreik und Selbstmordversuche: Schiff vor Sizilien ruft Notstand aus

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Das privat betriebene Rettungsschiff war zu Beginn vergangener Woche von Marseille aus in See gestochen und hatte seit dem 26. Juni in mehreren Einsätzen insgesamt 180 Menschen aus dem Mittelmeer geborgen.

Die Situation auf dem Schiff habe sich so verschlechtert, dass die Sicherheit der Geretteten und der Besatzung nicht mehr gewährleistet sei.

"Auf dem Schiff warten mehr als die Hälfte der Geretteten seit über einer Woche verzweifelt auf einen sicheren Ort", erklärte Verena Papke, Geschäftsführerin von SOS Méditerranée Deutschland.

So sei es in den vergangenen Stunden zu sechs Suizidversuchen an Bord gekommen. Ganze 44 Menschen hätten außerdem die Absicht geäußert sich selbst oder anderen Schaden zuzufügen. Dass nun der Notstand ausgerufen wurde, sei "beispiellos" in der fünfjährigen Geschichte der Rettungsorganisation, hieß es. Am Freitag in der Früh habe ein Mann versucht, sich zu erhängen.

Zwei Migranten seien über Bord ins Meer gesprungen und hätten aus dem Wasser geholt werden müssen. Viele der Überlebenden befänden sich in großer seelischer Not und litten unter Depressionen. An Bord gebe es viel Streit und auch körperliche Auseinandersetzungen, teilte die Crew mit. Unter ihnen sind 25 Minderjährige. SOS Mediterrannee appelliert an die EU rasch eine Lösung für die Menschen an Bord zu finden. Anlässlich der am Mittwoch begonnenen deutschen EU-Ratspräsidentschaft forderte SOS Méditerranée Außenminister Heiko Maas (SPD) mit einer Petition auf, sich für die Einführung eines EU-Seenotrettungsprogramms einzusetzen. Die "Ocean Viking" hatte erst Mitte Juni ihre Seenotrettungseinsätze im Mittelmeer wiederaufgenommen, nachdem die Schiffscrew drei Monate wegen der Coronavirus-Pandemie pausiert hatte.

Länder wie Italien und Malta verfolgen inzwischen eine harte Linie und lehnen die Aufnahme geretteter Flüchtlinge vielfach ab.

Monat für Monat versuchen Hunderte Menschen in seeuntüchtigen Booten, zumeist von der libyschen und tunesischen Küste aus, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Im vergangenen Jahr ertranken dabei nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 1283 Menschen. Alle Versuche, zu einer gerechten Verteilung innerhalb Europas zu gelangen, sind bisher gescheitert.

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