Werbeboykott: Facebook in der Defensive

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Die Sozialen Netzwerke, allen voran Facebook und Youtube, haben mittlerweile große Teile des Werbemarktes erobert - und dabei Medienunternehmen, egal ob Print, TV oder Online, insbesondere in den USA, ihre Existenzgrundlage oft entzogen.

US-Bürgerrechtsorganisationen hatten Firmen in der vergangenen Woche zu dem Boykott gegen Facebook aufgerufen. Begründung: Das Netzwerk tue nicht genug gegen Fake News und Hasskommentare. "Wir erwarten auch mehr Verantwortlichkeit und mehr Transparenz von unseren Social-Media-Partnern", betonte er.

"Es gibt keinen Platz für Rassismus in der Welt und es gibt keinen Platz für Rassismus in den sozialen Netzwerken", sagte Coca-Cola-Konzernchef James Quincey am Freitag. Dafür musste sich Zuckerberg sogar vor seinen eigenen Mitarbeitern rechtfertigen. Später veröffentlichte Zuckerberg auf seinem Facebook-Account auch noch eine schriftliche Erklärung. Facebook macht fast seinen gesamten Umsatz mit Werbeeinnahmen. Dieser Boykott bekommt nun gewichtige Unterstützung: Der Konsumgüterriese Unilever und der Autobauer Honda gaben bekannt, in den USA vorerst keine Werbeanzeigen mehr bei dem Online-Netzwerk und seiner Tochter Instagram zu schalten. Die US-Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt hat die Kritik an Facebook, zu nachlässig mit kontroversen Beiträgen umzugehen, wieder stark aufflammen lassen.

Auch Coca-Cola zog inzwischen nach - beschränkt sich bei dem Boykott aber nicht auf den Facebook-Konzern.

Das Unternehmen, eines der weltweit führenden in seiner Branche, bestätigte USA Today zudem, sich dem Boykottaufruf anzuschließen und bis Juli alle Anzeigen zu stoppen. So wolle man künftig stärker gegen Hassnachrichten vorgehen und Falschmeldungen vor den US-Präsidentschaftswahlen löschen. Zuckerberg kündigte zudem an, einige Facebook-Inhalte, die eigentlich gegen die Richtlinien des sozialen Netzwerks verstoßen, aber zum Beispiel aufgrund eines prominenten Absenders nachrichtlich relevant sind, künftig mit Hinweisen zu flankieren. Sein US-Werbebudget will Unilever indes nicht kürzen, die geplanten Ausgaben sollen nun auf andere Unternehmen verteilt werden.

Dazu trug auch Konzernchef Mark Zuckerberg wesentlich bei, der sich weigerte, gegen umstrittene Aussagen von US-Präsident Donald Trump einzuschreiten.

Die Aktien von Facebook Börsen-Chart zeigen und Twitter Börsen-Chart zeigen brachen daraufhin an der New Yorker Börse jeweils mehr als sieben Prozent ein.

"Ich stehe gegen Hass und alles, was zu Gewalt anstachelt", sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einem Livestream am Freitag. Dies war selbst Facebook zu viel und das Unternehmen sperrte den Beitrag. Zudem soll Facebook Kontakt mit Werbekunden aufgenommen haben, um weiteren Schaden durch den Boykottaufruf abzuwenden. Auch bei Twitter will Unilever bis Jahresende keine Anzeigen mehr schalten. Dass sich bei Facebook demnächst viel ändert, daran haben einige Unternehmen ihre Zweifel. "Trotz wiederholter Zusicherungen von Facebook, Massnahmen zu ergreifen, haben wir keine bedeutsamen Veränderungen gesehen". Erst vor Kurzem hatte Zuckerberg noch seine Position unterstrichen, Trumps häufig umstrittene Beiträge nicht zu beschränken. Zuvor hatten bereits der Eiscreme-Hersteller Ben & Jerry's (eine Unilever-Marke) sowie die Outdoorbekleidungskonzerne Patagonia und North Face angekündigt, zunächst nicht mehr auf Facebook werben zu wollen.

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