Polen: Präsident Duda muss laut Prognose in die Stichwahl

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Duda kam auf 41,8 Prozent der Stimmen, Trzaskowski auf 30,4 Prozent.

Duda dankte am Sonntagabend in Lowicz westlich von Warschau seinen Wählern für die Unterstützung. Er gratulierte seinem Herausforderer Trzaskowski zu dessen Erfolg.

Die Wahlbeteiligung war sehr hoch: Bis zum späten Nachmittag hatten bereits fast 48 Prozent der rund 30 Millionen Berechtigten ihre Stimme abgegeben. Experten räumen dem Warschauer Bürgermeister Trzaskowski durchaus Chancen ein, in der zweiten Runde gegen Duda zu siegen. Die zweite Wahlrunde werde darüber entscheiden, ob Polen einen Präsidenten bekomme, der der Regierung genau auf die Finger sehe, oder jemanden, der seine eigene Unterschrift nicht achte. Bei der Präsidentschaftswahl 2015 lag die Beteiligung um die gleiche Uhrzeit bei nur 34 Prozent. Er hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung, sagte der 48-Jährige bei der Stimmabgabe.

Sein politischer Rivale Trzaskowski, der das größte Oppositionsbündnis, die liberalkonservativen Bürgerkoalition (KO) repräsentiert, hat als Oberbürgermeister der Hauptstadt die sogenannte "LGBT+"-Charta unterschrieben, die sexuelle Minderheiten unterstützen soll".

Die Präsidentenwahl wurde als Stimmungstest für die nationalkonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) gewertet, die in Polen nahezu über ein Machtmonopol verfügt und auch Präsident Dudas Kandidatur für eine zweite fünfjährige Amtszeit unterstützte.

Das Amt des polnischen Staatspräsidenten ist nicht rein repräsentativ, der Präsident hat weitreichende Vollmachten und kann Gesetze nicht nur mit einem Veto blockieren, sondern auch eigene Gesetzesinitiativen anstoßen. Im Falle eines Wahlsiegs will Trzaskowski die umstrittene Justizreform der PiS rückgängig machen, die Polen in einen Dauerclinch mit der EU gebracht hat.

Die Abstimmung war ursprünglich für den 10. Mai geplant, war aber wegen der Corona-Epidemie verschoben worden.

In den Wahllokalen galten am Sonntag besondere Schutzvorschriften.

Trotz Corona-Pandemie waren dieses Mal außergewöhnlich viele Polen zur Wahl gegangen. Im Zentrum von Warschau standen die Menschen Schlange, da in den Wahlräumen nur eine begrenzte Personenzahl zugelassen war. Desinfektionsmittel standen am Eingang bereit, die Wahlhelfer trugen Handschuhe und Gesichtsvisiere.

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