Die höchsten Tagesverluste von Dax-Aktien - Wirecard dominiert STICHWORT 2

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Im nächsten grösseren Schritt nach dem Eingang des Insolvenzantrags beim Münchner Amtsgericht wird ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Der französische Zahlungsverkehrsdienstleister hatte schon zu Beginn dieses Jahres in Frankreich seinen Wettbewerber Ingenico für fast acht Milliarden Euro gekauft. Mit Blick auf Wirecard kritisiert er die Bafin, weil sie formalistisch nur ihre jeweiligen spezifischen Zuständigkeiten für die deutsche Bank-Tochtergesellschaft genutzt habe, statt der Entwicklung dieses großen digitalen Finanzkonzerns mit einer umfassenden Beaufsichtigung gerecht zu werden. Dies teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Anschließend muss die Frage geklärt werden, ob der Zahlungsdienstleister Unternehmen seinen Geschäftsbetrieb fortsetzen kann oder nicht. Wirtschaftsprüfer stünden aber in der Verantwortung, Fehler frühzeitig zu erkennen. Zum Beispiel sollten Pläne auf Eis gelegt werden, 98.000 Finanzvermittler künftig von der Bafin kontrollieren zu lassen statt bisher vor allem von Industrie- und Handelskammern. Die Fortführbarkeit des Unternehmens sei "nicht sichergestellt". "Sie müssen das Fehlverhalten ihrer Behörden erklären".

Damit ist ein vor einer Woche noch als solvent und zukunftsträchtig geltender Dax-Konzern in atemberaubender Geschwindigkeit abgestürzt. Die Anlegervereinigung DSW fordert rückhaltlose Aufklärung.

Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler vom Verein der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz nannte den Insolvenzantrag eine Katastrophe. Darum hat Valdis Dombrovsksis, ein für die Finanzpolitik zuständiger EU-Funktionär, die Esma-Aufseher aufgefordert, die Bafin und ihre Aufsichtstätigkeit zum gefallenen deutschen Fintech-Champion zu überprüfen, wie die "Financial Times" schreibt. Sie hatte Wirecard jahrelang unbedenkliche Bilanzen bescheinigt. Den Prüfern fehlten Belege dafür, dass es 1,9 Milliarden Euro, die das Unternehmen auf Treuhänderkonten bei zwei philippinischen Banken verbucht hatte, tatsächlich gab.

Der Zahlungsdienstleister hatte vergangene Woche eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Die Wirecard Bank AG gibt unter anderem Mastercard-Kreditkarten an Partnerfirmen heraus, an FinTechs wie zum Beispiel Kontist.

Die Wirecard AG als Muttergesellschaft hingegen sieht wegen fehlenden Gelds derzeit keine Möglichkeit, den Betrieb nach dem 1. Juli ordnungsgemäß weiterzuführen: "Ohne eine Einigung mit den Kreditgebern bestand die Wahrscheinlichkeit der Kündigung und des Auslaufens von Krediten mit einem Volumen von 800 Millionen Euro zum 30. Juni 2020 und 500 Millionen Euro zum 1. Juli 2020", hieß es in der Mitteilung. Und so bekommt Wirecard auch kein Testat für die Jahreszahlen 2019.

Im Zentrum des Bilanzskandals stehen der ehemalige Wirecard-Finanzchef in Südostasien und ein Treuhänder, der bis Ende 2019 für Wirecard aktiv war und das - wie sich nun herausgestellt hat - in großen Teilen wahrscheinlich gar nicht existente Geschäft mit den Drittpartnern betreute. Die Staatsanwaltschaft München I hatte nach eigenen Angaben vom Dienstag bereits am Montag bei der zuständigen Ermittlungsrichterin des Amtsgerichtes München einen Haftbefehl gegen Braun beantragt und erhalten; Braun habe sich noch am Montagabend der Staatsanwaltschaft gestellt. Angesichts eines 1,9 Milliarden Euro schweren Bilanzlochs meldete der Zahlungsverkehrsanbieter am Donnerstag Insolvenz an.

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