Entzündungshemmer - Großbritannien setzt Dexamethason bei beatmeten Covid-19-Patienten ein

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Es stimme zwar: Vorläufige Ergebnisse der klinischen Studie weisen darauf hin, dass die Sterberate bei Patienten, die künstlich beatmet werden und Dexamethason bekommen, um ein Drittel sinken könnte. Detaillierte Überprüfungen des klinischen Versuchs wurden bisher allerdings noch nicht veröffentlicht.

Die Forscher unter Leitung eines Teams der Universität Oxford hatten für die von der Regierung mitfinanzierte Recovery-Studie das weithin verfügbare Medikament zehn Tage lang mehr als 2000 Covid-19-Patienten verabreicht.

Dexamethason sei das einzige Medikament, mit dem bislang gezeigt wurde, dass es die Sterblichkeit senke, erklärte Peter Horby, einer der Leiter der "Recovery"-Studie". Die beteiligten Wissenschaftler sehen die Erfolge daher als "großen Durchbruch". Der Wirkstoff wird laut des Pharmaindex "Gelbe Liste" unter anderem bei Asthma, Hauterkrankungen und Rheuma eingesetzt.

Die Weltgesundheitsorganisation hat die vorläufigen Ergebnisse einer britischen Studie zu einem Medikament gegen die Lungenkrankheit Covid-19 als Durchbruch begrüßt. "Das sind großartige Neuigkeiten, und ich gratuliere der britischen Regierung, der Universität Oxford und den vielen Krankenhäusern und Patienten in Großbritannien, die zu diesem lebensrettenden wissenschaftlichen Durchbruch beigetragen haben". Darauf macht Bernd Salzberger aufmerksam, Bereichsleiter Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie.

Der Wirkstoff bremse neben den entzündlichen Reaktionen jedoch auch die Immunantwort gegen das Sars-CoV-2-Virus. Vor allem schwerstkranke, an Beatmungsgeräten angeschlossene Patienten, die von Sepsis und Multiorganversagen bedroht sind, profitieren demnach von dem Entzündungshemmer: Einem von acht dieser Patienten könne das Leben gerettet werden.

Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover warnt unterdessen vor vorschneller Euphorie. Das Ergebnis klinge beeindruckend, aber bisher liege nur eine Pressemitteilung vor.

Bevor man das vollständige, durch unabhängige Gutachter beurteilte Manuskript gesehen hat, kann man die Wertigkeit der Studie nicht beurteilen. Zur Kontrolle untersuchten die Forscher 4.000 weitere Patienten, die nicht mit Dexamethason behandelt wurden. Zur Kontrollgruppe gehörten 4321 Patienten. Bei Patienten, die künstlich beatmet wurden, hat das billige Nachahmerpräparat Dexamethason in einer Studie einen erstaunlich klaren Überlebensvorteil gebracht. Ohne Dexamethason-Behandlung lag sie bei 41 Prozent. In der Versuchsgruppe sank sie um ein Drittel.

Bei den Patienten, die Sauerstoff bekamen, aber nicht künstlich beatmet wurden, sank sie immerhin um 20 Prozent. Bei den Patienten, die gar keinen Sauerstoff benötigten, zeigte die Behandlung keine Wirkung.

Forscher wollen in einem günstigen Steroid ein potenzielles Corona-Medikament ausgemacht haben, das das Sterberisiko schwer erkrankter Covid-19-Patienten verringern soll.

Im Fokus der gegenwärtigen Untersuchungen steht das Steroidhormon "Dexamethason", das entzündungshemmend und dämpfend auf das Immunsystem wirkt. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die durch Organschäden und Virenvermehrung verursachten Entgleisungen des Immunsystems in der Endphase der Covid-19-Krankheit eine entscheidende Rolle spielen. Obwohl es nur in schweren Fälle helfe, werde es ungezählte Menschenleben retten. Die in London ansässige Wellcome-Stiftung setzt sich für die Verbesserung der weltweiten Gesundheit ein. Das Mittel sei preiswert und könne sofort eingesetzt werden, um weltweit Leben zu retten.

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