Carolin Kebekus macht "Brennpunkt Rassismus" statt Comedy

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Warum? Ganz einfach: Ich war' s nämlich noch nie.

Normalerweise steht Carolin Kebekus für Comedy, doch diese Woche nutzte sie ihre Sendezeit für einen "Brennpunkt" zum Thema Rassismus. Wie von ihr gewohnt, nahm sie dabei überhaupt kein Blatt vor den Mund. Statt es aber doch zu tun, tat sie das einzig richtige: Sie lieh ihre Stimme und ihre Plattform (ihre Show in der ARD) der schwarzen Moderatorin Shary Reeves. Denn Rassismus tötet auch in Deutschland.

Weil die ARD bislang keinen "Brennpunkt" zu Georg Floyd und rassistischer Polizeigewalt in den USA gesendet hat, entschied sie, selbst einen zu machen. "Herzlich willkommen zum Brennpunkt im ersten deutschen weißen Fernsehen", begann Moderatorin und Autorin Reeves, die sich seit langer Zeit gegen Diskriminierung engagiert: "Wir alle sind Teil eines strukturell rassistischen Systems".

Anders als bei "Maischberger" und "Markus Lanz", die für die "weiße Besetzung" ihrer Rassismus-Sendungen vielfach kritisiert wurden, gab Kebekus in ihrer Sendung das Mikro ab. "Menschen mit heller Haut können nicht nachempfinden, was Menschen mit dunkler Haut fast täglich an Benachteiligungen widerfährt", berichtete sie. Brennpunkt - das sei ja "irgendwie naheliegend", sagte Reeves und spielte damit süffisant auf das Fehlen eines solchen Beitrags zur Hauptsendezeit der ARD an. Schwarze oder Persons of Colour können das nicht, Rassismus betrifft sie immer.

Mai starb der Afro-Amerikaner George Floyd in Polizeigewahrsam.

Mit dem gut 15 Minuten langen Beitrag gelingt Reeves und Kebekus nicht weniger als ein Meisterstück der Aufklärung.

Dann kamen zahlreiche Deutsche mit dunkler Hautfarbe zu Wort, die Beispiele für Alltagsrassismus schilderten. Dafür bekam sie viel Lob - und ihr Sender musste Kritik einstecken. Zudem beleuchte die ARD das Thema Rassismus in seinen Sendungen in verschiedenen Formaten, so das Statement.

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