Rettungspaket für Lufthansa in Sicht

Einstellen Kommentar Drucken

Nach wochenlangen Verhandlungen haben sich die deutsche Bundesregierung und die Lufthansa auf die Eckwerte eines Rettungsprogramms geeinigt, wie der "Spiegel" und das "Handelsblatt" berichteten. Der staatliche WSF wird sich zum einen am Aktienkapital der Lufthansa beteiligen, zum anderen eine Stille Einlage in das Unternehmen einbringen - sofern die angekündigte Kapitalmaßnahme umsetzbar ist.

Zuvor hat es eine politische Einigung auf höchster Ebene gegeben, bei dem die umstrittenen Modalitäten der Staatsbeteiligung geregelt worden sind.

In der Nacht bestätigte die Lufthansa in einer Pflichtmitteilung an die Börse, dass das Management aktuell "fortgeschrittene Gespräche" zur konkreten Ausgestaltung eines Stabilisierungspakets führe. Demnach will sich der Bund zunächst mit weniger als 25 Prozent direkt an der Lufthansa beteiligen. Das Rettungspaket, das weitere Komponenten enthält, hat ein Volumen von rund neun Milliarden Euro.

Um den Einstieg des Staates war in den vergangenen Wochen ein Streit in der Großen Koalition ausgebrochen. Es seien außerdem Auflagen geplant - etwa ein Verzicht auf künftige Dividendenzahlungen und Beschränkungen der Managementvergütung.

Der Emissär des Bundes steht nach SPIEGEL-Informationen im Rang eines Staatssekretärs und soll in der Frankfurter Konzernzentrale der Lufthansa das Kompromissergebnis aus Berlin vorstellen. Vor allem die Union hatte vor einer "Quasi-Verstaatlichung" der Airline gewarnt. Erwartet wurde, dass die deutsche Regierung im Laufe des Tages ein offizielles Angebot an die Lufthansa unterbreitet. Der WSF beabsichtige, die mit den Aktien verbundenen Stimmrechte insgesamt nur in Ausnahmefällen wie dem Schutz vor einer Übernahme auszuüben, erklärte die Lufthansa.

Zudem soll der Bund zwei Sitze im Aufsichtsrat bekommen. Von den angeblich vorhandenen Bar-Reserven von mehr als 4 Milliarden Euro gehören 1,8 Milliarden Euro eigentlich den Kunden, die auf Erstattungen für nicht durchgeführte Flüge warten. Lufthansa reduzierte den Passagierbetrieb auf ein Minimum und flog zwischenzeitlich nur noch knapp 1 Prozent der Passagiere im Vergleich zum Vorjahr.

Die Aktionäre müssen der Kapitalerhöhung auf einer außerordentlichen Hauptversammlung zustimmen.

Von den 9 Milliarden Euro sollen nun 3 Milliarden Euro als KfW-Darlehen an die Fluggesellschaft fließen. Diese könnte bis zu einer Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Stimme reichen. Das Unternehmen prüft dieses Schutzschirmverfahren für den Fall, dass eine umfangreiche Staatshilfe in den derzeit laufenden Gesprächen mit der Bundesregierung nicht zustande kommt.

Dann an ist die durch den nahezu ausgesetzten Luftverkehr in Bedrängnis gekommene Lufthansa am Zug: Sie muss in ihren Gremien darüber entscheiden, ob sie die Stützungsmaßnahmen des Bundes samt der daran gebundenen Bedingungen annimmt.

Comments