Straßburg/Stuttgart Elsass: Patienten über 80 werden nicht mehr beatmet

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Das Elsass gilt als Corona-Epizentrum Frankreichs. Die Lage dort ist schlimm.

Seit dem 21. März würden Patienten, die älter sind als 80 Jahre, nicht mehr beatmet. Stattdessen erfolge "Sterbebegleitung mit Opiaten und Schlafmitteln", schreiben die Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin in Tübingen in dem Bericht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Katastrophenmediziner berichten angesichts der Corona-Pandemie über dramatische Zustände im Elsass.

Die Zustände an der Universitätsklinik in Straßburg im Elsass sind derzeit offenbar kritisch. Die Ärzte der Un.

Diesen Bericht können Sie als registrierter Nutzer kostenlos lesen. Ein Abo ist nicht nötig. Die Gefahr durch das Coronavirus mache "weitere konsequente Maßnahmen der Landesregierungen, der Krankenhäuser und der Rettungsdienste in Deutschland" unabdingbar. In Pflegeheimen gilt das Gleiche für beatmungspflichtige Patienten über 80 Jahren. Die Ethikkommission in Frankreich gebe diese Vorgehensweise vor.

Die Ärzte des DIFKM schreiben, unter der Annahme, dass sich die Entwicklung, wie sie im Elsass bestehe, bald auch in Deutschland einstellen werde: Eine optimale Vorbereitung sei von "allerhöchster Dringlichkeit" - wichtig zu sehen sei dabei, "dass das Nadelöhr die zu beatmenden Patienten sind".

Insgesamt kommen die Berichtsautoren zu dem Schluss: Neben der erforderlichen Planung für die Versorgung der Covid-19-Patienten müsse auch an andere Menschen mit Herzinfarkt oder Unfallopfer gedacht werden.

Der Leiter der chirurgischen Anästhesie, Paul Michel Mertes, verwies Informationen der Nachrichtenagentur epd zufolge auf die medizin-ethischen Kriterien der Klinik.

Das Straßburger Krankenhaus habe laut dem Bericht an diesem Montag stündlich einen Patienten aufgenommen, der beatmet werden muss. Schwere Verläufe fänden sich häufig bei alten Patienten mit Vorerkrankungen wie COPD, Asthma, Pneumonie, Diabetes, Adipositas und Bluthochdruck. Die 90 Beatmungsbetten, die in der Klinik aktuell zur Verfügung stehen, waren somit alle belegt. Außerdem berichten sie, dass Patienten, die älter als 80 Jahre alt sind, nicht mehr beatmet würden. Täglich wird nur noch eine lebenswichtige Bypass-Operation durchgeführt. Am Donnerstag wurden rund 20 Patienten aus Straßburg und Mühlhausen mit einem medizinisch umgerüsteten TGV-Hochgeschwindigkeitszug in den Westen des Landes gebracht.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte die an Deutschland grenzenden ostfranzösischen Gebiete Elsass und Lothringen bereits vor rund zwei Wochen als Coronavirus-Risikogebiet eingestuft. Auch die Region Champagne-Ardenne, die eine Grenze mit Belgien teilt, gilt als Risikogebiet. Dieser Zustand sei jedoch mit der Situation der Kliniken in Baden-Württemberg nicht vergleichbar, da Deutschland sich sehr früh um eine Eindämmung bemüht habe und die Epidemie in Frankreich weiter fortgeschritten sei. Fast 651 davon sind Patienten auf Intensivstationen.

Die regionale Gesundheitsbehörde der Region Grand Est meldete bis Mittwoch 3.068 Corona-Patienten in Krankenhäusern.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron besuchte an diesem Mittwochabend eine der neuen mobilen Armeekliniken in Mülhausen im Elsass. Seit Beginn der Pandemie wurden in der Region Grand Est mehr als 500 Todesfälle gemeldet. Die Zahl der Pflegekräfte wurde aufgestockt, damit diese die Zimmer nicht so oft verlassen müssen. Frankreich gestattet auch mit Coronavirus infizierten Ärzten die Arbeit. "Einzig bei bestätigter Infektion und eigenen Symptomen wird die Arbeit wenige Tage unterbrochen", schreiben die Mediziner über den französischen Rettungsdienst.

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