Netflix erzählt vom jungen Analytiker Sigmund Freud

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Mit diesem Bild räumt die deutsch-österreichische Netflix-Serie "Freud" indes gründlich auf. Hier geht es um den jungen Freud (Robert Finster), der in den ersten Filmminuten die Taschenuhr vor dem Gesicht einer Frau hin- und herpendeln lässt. Sie hat die Stimme verloren, nachdem ihr Töchterchen von einer Kutsche überfahren wurde und soll nun unter Hypnose geheilt werden.

Sie wollen einmalig die Ausgabe mit dem Bericht kaufen? Vom medizinischen Establishment wird er ausgegrenzt, seine Reputation steht so sehr auf dem Spiel wie seine Verlobung. Die Dame ist seine Haushälterin; Freud übt mit ihr eine fingierte Hypnosebehandlung, mit der er Chef und Kollegen in der Nervenheilanstalt von seiner "therapeutischen Revolution" überzeugen will.

In der historischen Serie "Freud "erzählt Regisseur Marvin Kren eine düstere Geschichte rund um den jungen Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse". Kren ("4 Blocks"/"Blutgletscher") verbindet die biografische Aura seiner Titelfigur mit Elementen aus dem Crime-, Mystery- und Horrorgenre.

Das mag auf den ersten Blick obskur erscheinen, ergibt aber durchaus Sinn.

Die Story, im Kern eine Killerjagd, darf nicht als Tiefenbohrung in des Menschen Seele missverstanden werden. "Ich bin ein Haus". Mein Bewusstsein ist ein einsames Licht. Alles andere liegt im Schatten. Und damit begibt sich die Serie auf die Reise mit einer flackernden Erzählstrategie in die schrill möblierten Zimmer des Unbewussten. Die April-Highlights im Überblick.

Der Psychoanalytiker, das fragile Medium Fleur Salome (Ella Rumpf) und der kriegstraumatisierte Polizist Alfred Kiss (Georg Friedrich) suchen den Strippenzieher hinter den sadistischen Verbrechen, dessen Radius höchste gesellschaftliche Kreise bis hin zu Kronprinz Rudolf (Stefan Konarske) erfasst.

Kren hat seine Erzählung als wilden, halluzinogenen Rausch aus finsteren Träumen, verdrängten Erinnerungen, perversen Verbrechen und schwarzer Magie angelegt. Das entwickelt Sog, doch mit Episode 5 "Trieb" gehen ihm die Pferde durch. Da wird's zu viel mit dunklen Mächten, animalische Sexszenen und Blutorgien. Von dieser Überdosis Genre kann sich "Freud" in der Zielgeraden nur noch unvollständig erholen - auch wenn die Kulmination der Ereignisse natürlich in das radikal-therapeutische Konzept passt. Wahrscheinlich würde er milde lächeln, leise den Kopf schütteln und vergnügt an seiner Zigarre ziehen.

"Freud" ab 23. März beim Streamingdienst Netflix.

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