Wissenschaft dämpft Hoffnungen: Trump will Malaria-Medikament gegen Covid-19 einsetzen

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Das Tübinger Institut für Tropenmedizin will das Medikament Chloroquin im Kampf gegen Corona-Erkrankungen testen. Schon in der kommenden Woche soll mit einer Studie an Menschen begonnen werden, wie Institutsdirektor Peter Kremsner am Mittwoch mitteilte. Der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, bemühte sich im Weißen Haus dann auch, Trumps Begeisterung etwas zu relativieren: Es gebe bislang nur vereinzelte Berichte über eine Wirksamkeit des Medikaments, aber keine ernsthaften klinischen Studien. Erste Patienten haben Remdesivir bereits erhalten, in den USA sind darunter Covid-19-Patienten von Bord der "Diamond Princess", jenem Kreuzfahrtschiff, das zwei Wochen lang wegen des Coronavirus im Hafen von Yokohama in Japan unter Quarantäne gestellt worden war. Bereits ab 23. März soll mit einer klinischen Studie an Menschen begonnen werden. Die Vorhersagen von Experten könnten diesbezüglich nicht weiter voneinander abweichen: Einige Mediziner meinen, es könne nicht vor 2021 mit einem Impfstoff gegen Sars-CoV-2 gerechnet werden, andere sind wiederum der Ansicht, dass trotz größter Bemühungen niemals ein Heilmittel gegen das Virus auf den Markt kommen und es demzufolge zu einer globalen Seuche kommen wird. Auch gegen Sars-CoV-2, wie zumindest Versuche im Reagenzglas zeigten. Man wolle schnell wissen, ob dieses Medikament bei Corona hilft. Auch zahlreiche antivirale Arzneimittel werden derzeit auf ihre Wirksamkeit gegen Sars-CoV-2 untersucht. "Repurposing" nennen Fachleute diese Herangehensweise, bei denen bereits für einen bestimmten Zweck getestete Mittel für einen anderen Zweck eingesetzt werden. Die meisten der klinischen Studien laufen in China, weil es dort die größte Anzahl an Patienten gibt, die daran teilnehmen können. Schaut man bei ClinicalTrials.gov, der größten Datenbank zu klinischen Studien, nach Studien zu Covid-19, die in Vorbereitung sind oder bereits Teilnehmer aufnehmen, landet man derzeit bei deutlich mehr als 50 Treffern. Man spart allerdings bei der Zulassung eines Präparats Zeit. "Ist ein Medikament bereits für eine andere Anwendung zugelassen, ist die Verträglichkeit geprüft und die technische Qualität belegt".

Bereits erforschte Wirkstoffe können also unter Umständen schneller in die Phase der klinischen Prüfung eintreten, in der das Mittel an größeren Patientengruppen getestet wird - und dann bei erfolgreicher Testung auch schneller zugelassen werden. Unklar sei aber, ob mit Erfolg, da die Erkrankten Chloroquin teils in sehr hoher Dosierung und gemeinsam mit vielen weiteren Medikamenten bekommen hätten.

In China und Italien sind Kremsner zufolge sehr viele COVID-19-Patienten mit Chloroquin behandelt worden.

Laut Kremsner wirkt das Medikament gegen viele Viren - und vielleicht auch gegen das Coronavirus. Der Antrag dazu wurde bei der Tübinger Ethikkommission eingereicht.

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