Profiling am Flughafen: Ryanair-Chef fordert strenge Kontrollen für muslimische Männer

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"Wer sind die Bombenattentäter?". Und der Luftfahrtmanager macht klar, was männliche Muslime von der irischen Ryanair zu erwarten haben: Sie sollten sich auf den Flughäfen strengeren Sicherheitskontrollen unterziehen als andere Passagiere. Denn: Sie sind es, die am wahrscheinlichsten Attentate verüben. "Es werden alleinreisende Single-Männer sein", sagte Michael O'Leary in einem am Samstag veröffentlichten Interview der britischen Times. Der Konzernchef führte aus: "Man kann solche Dinge nicht sagen, weil es Rassismus ist, aber es sind im Allgemeinen Männer muslimischen Glaubens", fügte er hinzu. In Begleitung ihrer Familie seien muslimische Männer hingegen keine Gefahr, meint der für polarisierende Äusserungen bekannte Firmenboss. Das Risiko, dass sie sich mitsamt ihren Kindern in die Luft sprengen würden, sei "verf*ckt nochmal Null".

Von Athen bis Thessaloniki: Insgesamt 20 Ziele steuerte Ryanair bisher von Nürnberg aus an. Vor 30 Jahren seien es noch die Iren gewesen, heute müsse man sich eben mit der neuen Bedrohung auseinandersetzen. Dabei werden Menschen auf Grundlage von Stereotypen und äußerlichen Merkmalen als verdächtig eingestuft und überprüft. "Es werden alleinreisende Single-Männer sein", sagte O'Leary.

In den sozialen Netzwerken brach nach der Veröffentlichung des Interviews ein Sturm der Entrüstung los.

Ein Sprecher des muslimischen Rates von Großbritannien beschuldigte O'Leary der "Islamophobie". Insbesondere muslimische User riefen zu einem Boykott von Ryanair auf. Es sei eine Schande, dass der Chef einer Fluggesellschaft Islamfeindlichkeit so offen und schamlos ausspreche und damit seine eigenen Kunden diskriminiere. Auch der Labour-Abgeordnete Khalid Mahmood verurteilte die Vorschläge und verwies auf den rassistischen Anschlag im hessischen Hanau und stellte die Frage: "Sollen wir nun weiße Menschen einem Profiling unterziehen, um zu sehen, ob sie Faschisten sind?"

Dem Geschäftsführer von Ryanair schlägt wegen seiner Äußerungen Kritik entgegen: O'Leary fordert, muslimische Männer an Flughäfen strenger zu kontrollieren. Diese waren irrtümlich unter Terrorverdacht geraten, als sie zum Ende des Ramadans mit langen Gewändern in den Kölner Hauptbahnhof gelaufen waren und nach Zeugenaussagen "Allahu Akbar" gerufen hatten. Er beschimpfte unter anderem Aufsichtsbehörden und wies Rückzahlungsforderungen von Flugpassagieren harsch zurück: "Wir wollen Eure Heulereien nicht hören".

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