Künstliche Intelligenz: Digitale Aufholjagd "Made in Europe"

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Europa verpasst seit Jahren den Anschluss zu den digitalen Weltmächten USA und China. Bei der künstlichen Intelligenz hätten Frankreich und Deutschland bereits eine verstärkte Zusammenarbeit auf den Weg gebracht.

Dabei drohen US-Firmen wie Facebook und Google empfindliche Auflagen. Damit sind - wie schon beim Datenschutz - globale Auswirkungen wahrscheinlich. KI-Systeme sollen robust sein und von Menschen kontrolliert werden.

Es klang ein bisschen so, als würde Kommissionschefin Ursula von der Leyen dem alten Kontinent Mut zusprechen, als sie am Mittwoch sagte: "Wir haben eine lange Geschichte des technologischen Erfolgs". Daten sollen zudem innerhalb der EU einfacher ausgetauscht werden können und so technische Innovation antreiben. "Je mehr Daten wir haben, desto klüger werden unsere Algorithmen", sagte die CDU-Politikerin von der Leyen.

Die Digitalkonzerne will die Kommissionspräsidentin stärker in die Pflicht nehmen: Diese müssten den Bürgern Zugang zu den Daten verschaffen, die sie sammeln. Es ist ein dreiteiliges Projekt zu Künstlicher Intelligenz, einem europäischen Datenraum und einem Aktionsplan zur Umsetzung, damit die Gemeinschaft auf einer Augenhöhe mit den Konzernen des amerikanischen Silicon Valley oder dem chinesischen Unternehmen Ali Baba agieren kann.

Der VDMA zeigte sich erleichtert, dass die Kommission ein zukünftiges Gesetz nur auf kritische Anwendungen von künstlicher Intelligenz begrenzen wolle. Die höchst unterschiedlichen Regeln zu KI und Datenaustausch in den 27 Mitgliedsländern müssten vereinheitlicht werden, heißt es in den Strategiepapieren der EU-Kommission.

Brüssel will den Schwerpunkt auf alltagstauglichen Entwicklungen setzen. Stichworte waren bei der Präsentation neue Therapien bei schweren Krankheiten, robotergesteuerte Operationen - oder im Bereich der Landwirtschaft eine Produktionsweise, die mit weniger Pflanzenvernichtungsmitteln auskommt.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) teilte indes nicht die Bedenken der Kommission, dass durch künstliche Intelligenz neue Sicherheits- und Haftungsprobleme entstünden.

Als Hochrisiko-Anwendungen bei KI stuft die Kommission den Einsatz in Personalrekrutierung, Medizin, Verkehr, Polizei und Justiz ein. Hier will Europa mit "Vertrauenswürdigkeit" punkten. Die Datenmenge, die in der Welt und Europa jedes Jahr erzeugt und genutzt werden könne, explodiere geradezu, meint der Datenfachmann der EU-Kommission. Die erste Welle mit den sogenannten Sozialen Medien, dem Internethandel und dem Smartphone-Geschäft haben die europäischen Firmen verschlafen.

"Die Schlacht für Industriedaten beginnt jetzt, und Europa wird ihr Hauptschlachtfeld sein", sagte Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton. Sie verwies darauf, dass 25 Prozent der Industrieroboter in Europa. Google, Amazon, Microsoft, aber auch Tencent oder Alibaba, all diese Unternehmen sind entweder in den USA zu Hause oder in China. Die Wirtschaft soll ihren Teil an den Investitionen übernehmen. "Wir befassen uns mit den Risiken, die durch dieZukunftstechnologien ausgelöst werden", so EU-Kommissarin Margrethe Vestager, die die digitale Strategie der EU-Kommission verantwortet.

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