Online: Ein Netzwerk für "soziale Angeberei"

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Im Jahr 2018 knackte Instagram die magische Marke von einer Milliarde Nutzer weltweit. Der Verband geht davon aus, dass der Branchenumsatz in Deutschland, Österreich und der Schweiz 2020 bei 990 Millionen Euro liegen wird. Eine Ex-Influencerin, die Instagram inzwischen den Rücken gekehrt hat, veröffentlicht nun ihre persönliche Generalabrechnung mit dem sozialen Netzwerk als Buch, das sie in München vorgestellt hat. Doch das soziale Netzwerk hat Schattenseiten, wie Autorin Nena Schink (27) nur zu gut weiß.

Sie wollen einmalig die Ausgabe mit dem Bericht kaufen? Aber auf Instagram gibt es nichts anderes als die Aufmerksamkeit der Anderen zu gewinnen.

Schink, die als Wirtschaftsjournalistin oft über Influencerinnen geschrieben hat, verarbeitet in dem Buch auch ihre eigene Sucht. "Der absolute Tiefpunkt war, als ich meine Schwester im Kroatien-Urlaub dazu verdonnert habe, Fotos von mir in einem knallroten Bikini auf einer Wassermelonen-Luftmatratze zu machen". Tatsächlich dokumentiert eine Studie der DAK-Gesundheit und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) aus dem Jahr 2018, dass bereits 2,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zwischen 12 und 17 Jahren die Kriterien für eine Abhängigkeit nach der sogenannten "Social Media Disorder Scale" erfüllen. Und auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig warnt, es gebe sogar einen Zusammenhang zwischen Social-Media-Sucht und Depressionen. "Suchtverhalten kann in vielen Lebensbereichen vorkommen, das ist kein typisches Phänomen von sozialen Medien", sagt sie auf Anfrage.

"Ich möchte Instagram nicht verteufeln", sagt die Psychologin Gerstenberg. "Die Mediensucht ist vor allem für Personen mit geringem Selbstwert ein Problem, da sie sich häufig von der perfekt inszenierten "Insta-Welt" schwer distanzieren können und unter Posting-Druck geraten". "Viele der verwendeten Methoden würde ich als Psychologin als unethisch bezeichnen und nicht am Wohl der Menschen ausgerichtet".

Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (CSU) sieht die Sache dagegen längst nicht so schwarz wie Schink. Wichtig sei ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang damit.

Nicht umsonst heiße es, dass Instagram süchtiger mache als Alkohol und Zigaretten, so Schenk. Und außerdem: "Mir ist der Umgangston bei Instagram allemal lieber als zum Beispiel bei Twitter, wo ich tagtäglich Beleidigungen ausgesetzt bin".

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