München: Greenpeace-Aktivisten besetzen Siemens-Zentrale

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Anlass der Proteste von Umweltgruppen ist die Lieferung von Siemens-Zugsignaltechnik im Wert von rund 18 Millionen Euro für ein riesiges Kohlebergbauprojekt des Adani-Konzerns in Australien.

Einige Aktivisten haben sich Aktien überschreiben lassen, um vor den Anteilseignern zu sprechen. Außerdem entrollten sie ein Transparent mit der Aufschrift: "Buschbrände beginnen hier". Zuletzt hatte Vera Diehl von Union Investment den Auftrag für das Kohlebergwerk als "kommunikatives Desaster für Siemens" bezeichnet.

Die Kritik an Siemens wegen des Kohle-Projektes in Australien reißt nicht ab.

Vor der Siemens-Hauptversammlung wollen Umweltschützer den Elektrokonzern auf dem Umweg über den Großaktionär Blackrock zum Ausstieg aus einem umstrittenen Geschäft in Australien bewegen.

Schützenhilfe für die Aktivisten gab es im Vorfeld der Versammlung von Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter.

"Für Siemens wäre das finanziell ein kleiner Schritt, für das Weltklima dagegen ein enormer Gewinn", fügte er hinzu. Das US-Unternehmen ist weltweit an mehr als 15.000 Unternehmen beteiligt, in Deutschland unter anderem an allen Dax -Konzernen.

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck äußerte Verständnis für Kaesers Haltung. "Ich nehme Herrn Kaeser ab, dass er die Entscheidung über die Signalanlage für die Kohlemine in Australien nicht leichtfertig getroffen hat", sagte er der "Augsburger Allgemeinen" vom Mittwoch. "Dennoch glaube ich, dass es sicher besser gewesen wäre, auf etwas Geld zu verzichten, um gesellschaftlichen Zielen treu zu bleiben". "Wir müssen auch die Unternehmenswelt neu denken", sagte er.

Hofreiter betonte, bei der klimafreundlichen Umgestaltung der Wirtschaft handele es sich um "eine Überlebensfrage, um die niemand herumkommt".

Der Grünen-Politiker forderte in diesem Zusammenhang auch neue gesetzliche Regelungen. "Das wäre ein Beitrag dazu, dass kurzfristiges Gewinnstreben zulasten von Mensch und Umwelt zurückgedrängt wird und endlich mehr Anreize für vorausschauendes und verantwortliches Wirtschaften entsteht". Das bereinigte operative Ergebnis aus dem Industriegeschäft, die meistbeachtete Erfolgs-Kennziffer, brach im ersten Quartal (Oktober bis Dezember) um 30 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro ein, wie der Industriekonzern am Mittwoch vor der Hauptversammlung in München mitteilte.

Konzernchef Joe Kaeser wies darauf hin, dass die viel kritisierte Kohlemine auch ohne Siemens-Technik gebaut werde. Der Nettogewinn ging um drei Prozent auf 1,09 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz stieg um ein Prozent auf 20,3 Milliarden Euro, während der Auftragseingang mit 24,8 Milliarden Euro um zwei Prozent unter Vorjahr lag. Kaesers Vertrag als Vorstandsvorsitzender läuft zum Jahresende aus. Es wird also voraussichtlich seine letzte Hauptversammlung an der Siemens-Spitze sein. Die Windkraft-Sparte Siemens Gamesa, der Hoffnungsträger für die Energiewende, rutschte im ersten Geschäftsquartal sogar in die roten Zahlen. Als wahrscheinlichster Nachfolger gilt sein Vize Roland Busch. Siemens hatte am Dienstag angekündigt, die Anteile des Minderheitsaktionärs Iberdrola übernehmen zu wollen, mit dem es in der Vergangenheit immer wieder Streit gegeben hatte.

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