Organspende im Bundestag: Jeder entscheidet für sich

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Es geht um die Frage, wie die Organspende künftig geregelt werden soll. Über einige wichtige Punkte haben wir mit einem Experten des Fürther Klinikums und mit dem Ethik-Professor Peter Dabrock gesprochen. Die staatlich verordnete "Indifferenz" hat Folgen: Das Thema Organspende wird aufgeschoben und verdrängt, in der Familie ebenso wie in den Kliniken. Die freie Entscheidung des Menschen über seinen Körper, auch nach dem Tod, werde außer Kraft gesetzt. Am kommenden Donnerstag wird über die Reform der Organspende abgestimmt. Immer wieder aber stellt sich auch hier die Frage, ob jemand als Organspender infrage kommt. Holger Fey, Oberarzt der internistischen Intensivstation und Transplantationsbeauftragter des Klinikums.

Wie oft werden Organspenden abgelehnt? Sonst wäre noch bei Angehörigen nachzufragen, ob sie einen Widerspruch des Verstorbenen kennen. Allerdings sei es schwer, Menschen zur Organspende zu bewegen.

Jenseits des Bundestags hat Spahn viele Unterstützer im Lager der Gesundheitsexperten. Deshalb lohnt es sich, ausgerechnet mit diesen beiden zu reden.

Nirgendwo in Europa warten Menschen so lange auf ein rettendes Organ wie bei uns.

Unter den acht Ländern, die zu Eurotransplant gehören, gibt es keines, das eine reine Zustimmungslösung hat.

Bei der Widerspruchsregelung wäre es umgekehrt: Spenden gälte eher als Normalfall. Ein fraktionsübergreifender Gesetzesentwurf von einer Gruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) strebt die "doppelte Widerspruchslösung" an.

Dies lehnt eine andere Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock ab. Stattdessen soll jeder, der ab 16 Jahren einen Personalausweis beantragt, Info-Material zum Thema bekommen, wenn er den Ausweis abholt. Viel wichtiger und unabhängig davon sei eine Strukturreform des Transplantationssystems, um das Vertrauen der Bevölkerung in die Organspende zu erhöhen. Zudem hielte er es für problematisch, wenn die Einschätzung von Angehörigen nichts mehr zählt. Er denkt dabei etwa an eine Mutter, die ihren 30-jährigen Sohn verlor und eine Organspende ablehnte. "Ich meine, dass wir den Weg der Vertrauensschaffung, Stärkung der Beratung und Aufklärung sowie der Verbesserung der Organisation und Transparenz in den Krankenhäusern weitergehen sollten", erklärt Juratovic. Angehörige zur Lüge greifen?

Vor der Bundestagsabstimmung über die Organspende hat sich die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer gegen die von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) favorisierte Widerspruchslösung ausgesprochen. Schweigen dürfe nicht als Zustimmung gewertet werden. Ansonsten sollen künftig die Organe entnommen werden dürfen. Er verweist auf die Zahlen der DSO. Sie ermöglicht eigenverantwortliches, selbstbestimmtes Handeln und entlastet die Angehörigen.

Was sagen Befürworter der Widerspruchslösung?

Mit statistisch 10,4 Organspendern pro eine Million Einwohner lag der Freistaat im gerade abgelaufenen Jahr aber trotz steigender Tendenz unter dem Bundesschnitt von 11,2. Die Organspende müsse weiterhin freiwillig bleiben. Bürger sollen sie dort einfach und schnell selbst eintragen, ändern und widerrufen können. Noch immer warteten zu viele Menschen auf ein passendes Spenderorgan, sagte sie der SZ.

Gibt es vom Verstorbenen im nationalen Spendenregister - bis Ende 2019 haben sich dort etwa 80000 Schweizer eingetragen - keine Angaben, müssen die Angehörigen im Sinne des Verstorbenen entscheiden. Das medizinische Personal müsste besser geschult werden, um zuverlässig Fälle zu erkennen, in denen eine Spende möglich ist, so Fey. Und Ärzte, die sich in dem Bereich engagieren, bräuchten mehr Zeit. Wie sieht es in anderen europäischen Ländern aus? So wie in Spanien, dem Land mit der weltweit höchsten Spenderrate. Im Internet gibt es Vordrucke, um den Organspendeausweis in verschiedenen Sprachen auszudrucken. Zumindest die Diskussion darüber müsste man hierzulande anfangen, meint er.

Zur Abstimmung stehen zwei gegensätzliche Gesetzentwürfe.

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