Iran räumt Flugzeug-Abschuss ein - Anti-Regierungsdemos

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Der Offizier hatte laut Hajizadeh dann nur wenige Sekunde zu entscheiden, ob er eine Luftabwehrrakete abfeuert oder nicht. "Und leider tat er es, was dann zu dem Unglück führte", sagte der Kommandeur. Das Verkehrsflugzeug sei irrtümlich für einen Marschflugkörper gehalten worden, erklärte der für die Luftwaffe zuständige Kommandeur der Revolutionsgarden, Amir Ali Hadschisadeh, in einer am Samstag im Fernsehen gesendeten Stellungnahme. "Als ich davon erfahren habe, wünschte ich mir, lieber selbst tot zu sein, statt Zeuge dieses Unglücks", sagte Hadschisadeh.

Das Korps der iranischen Revolutionsgarden hatte laut dem Chef ihrer Luft- und Weltraumkräfte, Amirali Hadschisadeh, die volle Verantwortung für die Katastrophe übernommen.

Der Iran hatte den Abschuss der Boeing 737 tagelang abgestritten. Seiner Einschätzung nach hätte es aber an dem Tag landesweit ein Flugverbot geben sollen, weil sich das Land in einer Art Kriegssituation befunden habe. Die Streitkräfte entschuldigten sich bei den Opferfamilien und versprachen, solch ein "Fehler" werde nicht mehr vorkommen.

Irans Präsident Rohani hatte zuvor auf Twitter geschrieben, sein Land bedaure den Abschuss "zutiefst".

Auch der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau steht in Kontakt zur iranischen Führung. "Unser tiefes Bedauern, Entschuldigungen und Beileid gegenüber unserem Volk, den Familien aller Opfer und anderen betroffenen Nationen", schrieb Sarif im Kurzbotschaftendienst Twitter. Das Menschliche Versagen sei nur durch die durch die USA hervorgerufene Krisenzeit möglich gewesen. Er habe zudem uneingeschränkt zugegeben, dass die Tragödie auf fehlerhafte Aktionen des iranischen Militärs zurückzuführen sei. Die Kanzlerin forderte eine "schonungslose Aufklärung" der Umstände des Abschusses. "Die Justizabteilung der Streitkräfte sowie die iranische Luftfahrtbehörde sollten alle Dimensionen untersuchen und mir die Ergebnisse umgehend mitteilen", erklärte Raeissi laut Nachrichtenagentur Isna.

Vor dem nun erfolgten öffentlichen Eingeständnis hatte der Iran einen Abschuss der Maschine vehement bestritten und erklärt, eine technische Ursache habe zu der Katastrophe geführt. Vielmehr sei er der Auffassung, dass die Amerikaner solche Gerüchte in die Welt setzten, um das bereits international angekratzte Image von Boeing nicht noch weiter zu beschädigen. Die zivile Luftfahrtbehörde des Iran hatte am Donnerstag überraschend schnell einen vorläufigen Bericht vorgelegt, worin von einem technischen Problem kurz nach dem Start die Rede war. Als Vergeltung hatte der Iran zwei von US-Streitkräften genutzte Militärstützpunkte im Irak angegriffen. Kurz darauf stürzte in der Nähe von Teheran die ukrainische Passagiermaschine ab. Mehrere ausländische Geheimdienste, unter anderem aus Kanada und Großbritannien, spekulierten bereits über einen möglicherweise versehentlichen Abschuss durch eine iranische Rakete. 57 seiner Landsleute waren bei dem Abschuss der Maschine ums Leben gekommen.

Der ukrainische Präsident Selenskyj sagte in Kiew, er erwarte vom Iran eine lückenlose und zügige Aufklärung. Rouhani versicherte, dass alle Schuldigen für den Fehler des iranischen Militärs zur Verantwortung gezogen würden und mit juristischen Konsequenzen rechnen müssten. "Der Morgen heute war nicht gut, aber zumindest brachte er die Wahrheit ans Licht", schrieb Selenski auf Facebook. Ein Offizier habe die fatale Entscheidung allein getroffen, sagt er.

Die Lage am Persischen Golf war eskaliert, nachdem die USA den iranischen Top-General Qassim Soleimani Ende vergangener Woche in Bagdad gezielt getötet hatten. In dem Zusammenhang ordnete der iranische Präsident Hassan Rohani Entschädigungsmaßnahmen an. Die Ermittlungen hatten am Freitag begonnen. Iranische und ukrainische Fachleute hätten ihre Arbeit in einem Labor am Flughafen Mehrabad in Teheran aufgenommen.

Diese Videostandbild vom 8. Januar 2020 soll die ukrainische Passagiermaschine im Moment einer Explosion zeigen.

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) rät den europäischen Fluggesellschaften von Flügen über den Iran ab.

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