Borna-Infektionen in Deutschland: Das tödliche Spitzmaus-Virus

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Der Borna-Virus wird durch die Feldspitzmaus übertragen. Es findet sich vor allem in Spitzmäusen, zum Teil befällt es auch Nutztiere, wie etwa Schafe und Pferde. Allein von 2018 bis 2019 infizierten sich den Forschern zufolge fünf Menschen mit dem Borna-Virus - auch Borna Disease Virus (BoDV-1) genannt. Alle Fälle kamen in Bayern vor und wurden an der Uniklinik Regensburg, in Erlangen oder im Raum München diagnostiziert, sagt Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik am FLI. Der jüngste Fall wurde Ende 2019 bekannt: Ein elfjähriges Mädchen war an einer Borna-Infektion gestorben, wie web.de berichtete. Die Krankheit ist damit zwar noch relativ selten, doch könnte ein größerer Anteil bisher unerklärbarer schwerer bis tödlicher Enzephalitis-Fälle dahinterstecken. Der Hauptüberträger des Virus scheint die zweifarbige, weißzahnige Spitzmaus zu sein, welche beispielsweise in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorkommt.

Überträger des Borna-Virus ist die Feldspitzmaus. Diese scheidet den Virus mittels ihres Urins, Kots oder Speichels aus. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch oder auch von Pferd zu Mensch sei auf natürlichem Wege ausgeschlossen, erklärte Beer. Sowohl bei Nutztieren als auch beim Menschen verläuft die Infektion wahrscheinlich sehr oft tödlich. Wie genau sich die weiteren Betroffenen in Bayern mit dem Virus infizierten, ist nach Angaben Beers unklar. Diese könnten getötete Spitzmäuse nach Hause gebracht und so in Kontakt mit den Betroffenen gebracht haben, vermuten die Forscher. Das sei aber nur eine Hypothese.

Beer und seine Kollegen rufen Ärzte in Borna-Gebieten dazu auf, Patienten mit schwerer Gehirnentzündung bei unklarer Erkrankungsursache auf das Virus testen zu lassen. Eine Meldepflicht gibt es für die Krankheit bisher nicht. "Ich rechne nach wie vor mit Einzelfällen". Eine spezielle Therapie gegen die Krankheit gibt es bisher nicht. Spitzmäuse sollten nicht als Haustiere gehalten und nicht mit den bloßen Händen berührt werden.

Das Gesundheitsministerium arbeite eng mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) zusammen, betonte Gesundheitsministerin Huml. Es folgen neurologische Symptome wie Verwirrtheit, Verhaltensauffälligkeiten und Sprach- und Gangstörungen, im weiteren Verlauf innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen oft Koma und Tod.

Neben BoDV-1 gibt es auch das Variegated Squirrel Bornavirus 1 (VSBV-1). Die Wissenschaftler gehen daher von unabhängigen Übertragungen von Tieren auf den Menschen aus. Es war erstmals bei drei Hobbyzüchtern aus Sachsen-Anhalt nachgewiesen worden, die in den Jahren 2011 bis 2013 mit Symptomen einer Gehirnentzündung in Kliniken behandelt und gestorben waren.

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