Nato-Gipfel sendet Zeichen: "Alle für einen, einer für alle"

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Die Nato hat ihren Grundsatzstreit vertagt und ihren 70. Geburtstag einigermaßen harmonisch über die Bühne gebracht. Hatte sich der US-Präsident bei den vergangenen beiden Gipfeln mit konfrontativen Äußerungen in den Mittelpunkt gestellt, ist es dieses Mal Macron. Dass Deutschland bei den Verteidigungsausgaben das Zwei-Prozent-Ziel bislang mit 1,39 Prozent der Wirtschaftsleistung deutlich verfehlt, kommentierte Trump sanft mit dem Hinweis, Deutschland sei "ein bisschen unter dem Limit".

Macron hatte dem Bündnis den "Hirntod" bescheinigt.

Bei einem Empfang in London wurden mehrere Staats- und Regierungschefs von einer Kamera erwischt, wie sie sich über Trump lustig machen.

Ansonsten bemüht sich das Militärbündnis zum Abschluss des Gipfels zu demonstrieren, dass es alles andere als hirntot ist.

Bundeskanzlerin Merkel pflichtete Macron in einem Punkt bei: In dem beschlossenen "Reflexionsprozess" sollten auch die Beziehungen zu Russland auf den Prüfstand gestellt werden. Grundlage dafür solle die Nato-Russland-Akte von 1997 sein, die auf ein kooperatives Verhältnis mit Russland abzielt. Der Name Trump ist nicht zu hören. Im Gespräch mit den Reportern habe es eine weitere Überraschung gegeben: Trumps Ankündigung, dass der G7-Gipfel im kommenden Jahr in Camp David am Landsitz des US-Präsidenten stattfinde. Zu diesen Treffen des von ursprünglich zwölf auf aktuell 29 Mitglieder angewachsenen Militärbündnisses reiste unter anderem der amerikanische Präsident Donald Trump an. Sie erneuern zudem die Absicht aller, bei den Verteidigungsausgaben weiter das Zwei-Prozent-Ziel anzustreben: "Wir haben bereits gute Fortschritte gemacht, und wir werden noch mehr tun".

Macron stellt berechtigte Fragen - aber es gibt wenig Appetit bei den anderen Staats- und Regierungschefs und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, darauf einzugehen.

"So wie sich die Welt um uns herum verändert, wird sich auch die Nato weiter verändern", sagt Stoltenberg. Beobachter hatten gefürchtet, Trump könnte den Nato-Gipfel in London wieder aufmischen. Der zweitägige Gipfel, der an diesem Mittwoch endet, wurde von Differenzen zwischen den Nato-Partnern und einer Grundsatzdebatte über die künftige Ausrichtung des Bündnisses überschattet. Der Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin bezweifelte das allerdings.

Die Nato hatte im Vorfeld des Gipfels große Zuwächse bei den Verteidigungsausgaben gemeldet, um die Gefahr eines Eklats zu bannen.

Macron gibt sich eisern, übertönt sogar den sonst so lautstarken Donald Trump. Er kann berichten, dass der schwierige Bündnispartner Türkei seine Blockade von aktualisierten Verteidigungsplänen für Osteuropa aufgegeben hat.

Erdogan hatte im Gegenzug mehr Unterstützung von Bündnispartnern im Kampf gegen militante Anhänger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK gefordert. Es sei gut, wenn die Reflexionsgruppe unter Stoltenberg die Frage nach den wichtigsten Herausforderungen für die Bündnisverteidigung beantworte.

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