Welt-Aids-Tag: So fühlt es sich an, HIV-positiv zu sein

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Der Meilenstein war eine Studie im Frühjahr 2019, die eindeutig zeigte: HIV-Infizierte, die eine Therapie bekommen und diese richtig einnehmen, können niemanden mehr anstecken - auch nicht, wenn sie ungeschützten Geschlechtsverkehr haben. Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag.

Abdurachmanow kam durch einen Freund ins Spid-Center. Das erste Mal vor drei Jahren. Nun ist er Exekutivdirektor des als Stiftung organisierten Zentrums. Es hat sich dem Kampf gegen die rasante Ausbreitung von HIV im größten Land der Erde verschrieben. Leicht ist das nicht, wie Sergej sagt.

Seit Einführung des höchst umstrittenen "Anti-Homosexuellen-Propaganda"-Gesetzes 2013, das das positive und neutrale Sprechen über Homosexualität verbietet, gibt es unter Minderjährigen kaum noch Aufklärung über Sex-Praktiken". Sexualkunde in Schulen etwa ist tabu.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben sich in Brandenburg 2018 etwa 75 Menschen neu mit HIV angesteckt, fünf Neuinfektionen weniger als im Vorjahr. Das sei zwar spät im Leben sexuell aktiver Menschen, aber besser als gar nichts. Solche Experten fehlen vielerorts. Mit 1,5 Millionen Menschen gibt er die Zahl der Infizierten an, auch wenn das Gesundheitsministerium zuletzt von mehr als 900.000 gesprochen habe. Der gesellschaftliche Druck dürfe nicht dazu führen, dass Menschen sich aus Angst nicht testen, ärztlich beraten oder behandeln lassen. "Wen es trifft, den fangen wir auf", so die 32-jährige Transfrau und Kollegin von Abdurachmanow.

Immer wieder gibt es Gewalt gegen Schwule, Lesben und Transgender - von Übergriffen bis hin zu Morden.

In Deutschland sei davon auszugehen, dass 88 Prozent der HIV-Infizierten diagnostiziert seien. HIV verursacht unbehandelt Jahre nach der Infektion das Immunschwächesyndrom Aids und führt ohne Therapie zum Tod. "Bei 11,5 Prozent liegt die Quote der HIV-positiven Testergebnisse". Nur rund 500.000 Menschen hätten in Russland Zugang zu Therapien. Pokrowski kritisiert, der Staat gebe zu wenig Geld für die modernen Medikamente aus. Statt der rund 20 Milliarden Rubel (rund 284 Millionen Euro) in diesem Jahr sei das Fünffache nötig, um der Krise beizukommen. In Deutschland erhalten laut RKI 93 Prozent der Infizierten eine antivirale Behandlung.

Im Spid-Center ist Sergej entschlossen, weiter zu kämpfen. Die Stiftung wurde vom prominenten Journalisten Anton Krasowski (44) ins Leben gerufen, lebt von Spenden und verzichtet auf staatliches Geld, "um im Land unabhängig zu bleiben".

Laut Schätzungen tragen weltweit 37,9 Millionen Menschen das Aids-Virus in sich, mehr als zwei Drittel davon in Afrika südlich der Sahara, heißt es zudem in dem Bericht, den die Organisation zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember vorlegte.

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