Schicksal von "Vikram" unklar - Indien verliert Kontakt zu seinem Mond-Lander

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Nachdem der Abstieg und die massive Abbremsphase gänzlich nach Plan verliefen, verlor die Bodenstation im indischen Bangalore auf 2,1 Kilometern oberhalb der Mondoberfläche den Kontakt mit "Vikram". Der frühere Chef der indischen Raumfahrtbehörde, Mylswamy Annadurai, hatte am Donnerstag dem Fernsehsender NDTV noch voller Zuversicht gesagt: "Wir geraten nicht ins Hintertreffen, wir gehen in Führung - weiter in die internationale Arena". Am 2. September löste sich der Mondlander "Vikram" vom Raumgleiter und startete zwecks Landung eine Reihe von Bremsmanövern.

Der indische Premierminister Narendra Modi, der in der Nacht zum Samstag (Ortszeit) mit seinen Wissenschaftlern mitfieberte, umarmte den aufgelösten Chef der Raumfahrtsbehörde und strich ihm über die Schulter. An Bord des Landegeräts befand sich der Mond-Rover "Pragyan", der die Mondoberfläche untersuchen sollte. Sie hätten ihr Bestes gegeben. Indien will das vierte Land nach den USA, Russland und China werden, dem eine Mondlandung gelingt. "Selbst wenn es zu einer geordneten Landung kam, ohne einen Kontakt ist auch diese für weitere Arbeiten wertlos", kommentierte schon zuvor ein Missionsleiter. Bei Vikram sollten daher Triebwerke an der Unterseite die Geschwindigkeit verringern. Den Sinkflug zur Oberfläche musste das Landemodul zudem autonom anhand eines vorgegebenen Programms bewältigen, für die beteiligten Wissenschaftler bestand keine Möglichkeit einzugreifen. Behördenchef Kailasavadivoo Sivan sprach von "15 Minuten des Terrors". Im Januar war mit der chinesischen Raumsonde Chang'e 4 erstmals eine Sonde auf der Mondrückseite gelandet, was als technisch äußerst herausfordernd gilt. Da der Mond der Erde stets dieselbe Seite zuwendet, liegt die Rückseite permanent im Funkschatten.

Die Raumfahrtbehörde Isro verwies darauf, dass der indische Orbiter "Chandrayaan-2", der den Mond ein Jahr lang umkreisen und aus der Distanz untersuchen soll, weiter "gesund und intakt bei normaler Funktion und sicher in der Mond-Umlaufbahn" sei. Die erste Mondsonde war 2008 gestartet und hatte den Mond umkreist, ohne auf ihm zu landen. Die vor Jahren vorausgegangene Chandrayaan-1-Sonde hatte den Mond nur umrundet.

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