Russland und Ukraine tauschen Dutzende Gefangene aus - Politik

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Damit lässt sich teilweise erklären, weshalb der Gefangenenaustausch in der Ukraine heute deutlich mehr Aufmerksamkeit erhielt, als in Russland. In Moskau und Kiew warteten Angehörige und offizielle Vertreter der Staaten auf die Freigelassenen. Präsident Selenski stand an der Rolltreppe, begrüßte jeden von ihnen per Handschlag, fast alle umarmte er. Der Internationale Seegerichtshof in Hamburg hatten bereits im Mai die Freilassung der Matrosen gefordert. Zuvor hatte Selenski am Freitagabend mehrere Inhaftierte begnadigt und damit den Austausch mit Russland vorbereitet.

Putin hatte am Donnerstag gesagt, der Gefangenenaustausch sei "ein großer Schritt hin zur Normalisierung" der Beziehungen. Über einen Gefangenenaustausch war zuletzt immer wieder spekuliert worden.

Die nun freigelassenen Seeleute waren Ende November mit ihrem Schiff auf dem Weg vom Schwarzen ins Asowsche Meer vor der Halbinsel Krim vom russischen Grenzschutz gewaltsam gestoppt worden. Ihnen drohten jeweils lange Haftstrafen.

Ein solcher Austausch von Gefangenen gilt als ein wichtiger Erfolg für Staatschef Selensky in Kiew.

Der Hauptgewinn für Putin wäre es, wenn der Westen sich nun tatsächlich in Illusionen wiegen würde, man könne auf diesem Weg wirklich einem Frieden in der Ostukraine näher kommen - oder wenn man in Frankreich und Deutschland das Ereignis vom Wochenende zum Vorwand nähme, endlich von der harten Linie gegenüber Moskau abzurücken. Wie viele insgesamt in Haft sind, ist nicht bekannt. Das meldeten russische und ukrainische Medien am Samstag.

Hintergrund ist der Konflikt zwischen beiden Ex-Sowjetrepubliken.

Der prominenteste Gefangene ist der ukrainische Filmemacher Senzow. Der Künstler wurde 2015 trotz internationaler Proteste wegen Terrorismusvorwürfen zu 20 Jahren Lagerhaft verurteilt. In Moskau landete eine Maschine mit Gefangenen, die Kiew zuvor auf Verlangen der russischen Behörden aus der Haft entlassen hatte. Erst im Juli hatte Selenskyj einen Austausch des Regisseurs gegen den mittlerweile von der Ukraine unter Auflagen freigelassenen Journalisten Kirill Wyschinski angekündigt.

In Verbindung mit dem geplanten Gefangenenaustausch steht wohl auch die überraschende Freilassung eines ehemaligen Kämpfers aus dem Separatistengebiet Donbass. "Ich danke allen Menschen, die für uns gekämpft haben", sagte der 43-Jährige nach seiner Landung in Kiew. Er soll für die Luftabwehr der prorussischen Separatisten in Donezk zuständig und am Abschuss der Passagiermaschine des Flugs MH17 über der Ostukraine beteiligt gewesen sein.

Die niederländische Staatsanwaltschaft hatte die ukrainischer Regierung erst vor wenigen Tagen gebeten, besonders einen der Verhafteten nicht nach Russland ausreisen zu lassen.

Die Maschine war im Juli 2014 auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur abgeschossen worden, alle 283 Passagiere und die 15 Besatzungsmitglieder wurden getötet - ein Drittel der Opfer waren Niederländer. Zuvor hatten 40 EU-Parlamentsabgeordnete an Präsident Selenskyj appelliert, den Verdächtigen nicht an Russland zu übergeben.

Die Ermittler in den Niederlanden zum Beispiel befürchten, dass Zemach ihnen jetzt als Zeuge verloren geht.

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