Verbände stellen Umfrage zu Nährwert-Logos vor

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Als "schnell erfassbar" bewerteten es 87 Prozent, wie die am Mittwoch vorgestellte Befragung im Auftrag mehrerer Medizinverbände und der Verbraucherorganisation Foodwatch ergab. Denn Klöckner lässt derzeit eine eigene Verbraucherbefragung machen - nicht unter zwei, sondern unter vier Modellen.

In der Umfrage sprachen sich den Organisationen zufolge vor allem auch Bevölkerungsgruppen für den Nutri-Score aus, die besonders stark von Fehlernährung betroffen sind.

In der Debatte um klarere Kennzeichnungen von Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln hat das farbliche Logo Nutri-Score in einer Umfrage hohe Zustimmungswerte erhalten.

Bislang gibt es keine Empfehlung der Bundesregierung, welche Nährwertkennzeichnung Lebensmittelhersteller auf ihre Produkte drucken sollen, um dem Endverbraucher deutlicher zu machen, welche Nährstoffe in den Lebensmitteln enthalten sind und wie gesund diese sind.

Die Probanden der Forsa-Umfrage sind der Meinung, dass die vorgeschlagene Kennzeichnung von Klöckner "verwirrend" sei. Für das vom MRI entwickelte Wabenmodell sprachen sich demnach 25 Prozent aus. Unternehmen wie Danone, bofrost*, Mestemacher, McCain und Iglo haben beschlossen den Nutri-Score auf freiwilliger Basis auf all ihren Produkten in Deutschland einzuführen.

Verständlichkeit ist allerdings das wichtigste Ziel eines entsprechenden Labels, darauf drängen Verbraucherverbände und die anderen Auftraggeber der Forsa-Umfrage wie die Deutsche Diabetes Gesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin oder die Deutsche Adipositas Gesellschaft: "Das neue Kennzeichnungssystem muss gerade für die besonders von Fehlernährung und Übergewicht betroffenen Bevölkerungsgruppen verständlich sein", sagt Berthold Koletzko, Vorsitzender der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Die Ergebnisse sollen dann im September vorgestellt werden. Es zeigt Salz, Zucker und Fett pro 100 Gramm in Waben an, die bei niedrigem Gehalt blaugrün gefärbt sind. Je günstiger sie ausfällt, desto mehr von fünf Flächen haben einen schwarzen Stern und sind blaugrün ausgefüllt.

In der Befragung des Ministeriums werden daneben noch zwei weitere Modelle getestet: Das "Keyhole"-Logo aus Skandinavien mit einem weißen Schlüsselloch auf grünem Grund, das nur Produkte mit günstiger Nährwertbewertung bekommen können". Im Anschluss sollten die Teilnehmenden im direkten Vergleich beispielsweise bewerten, welches Modell verständlicher ist und die Wahl gesunder Lebensmittel eher erleichtert.

Aus dem Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hieß es heute, es sei bemerkenswert, dass Foodwatch sich erst vehement gegen eine Verbraucherbeteiligung ausspreche und die vom Ministerium geplante Verbraucherbefragung kritisiere, dann aber schnell selbst eine Umfrage in Auftrag gegeben habe. Dafür solle Ernährungsministerin Juli Klöckner (CDU) im Herbst aber auch nicht nur die Ergebnisse der Befragung veröffentlichen, sondern die gesamte Studie komplett mit allen Fragestellungen. In der Sache wirbt auch der vzbv für Nutri-Score. Es sei klar und einfach zu erfassen. Die FDP warnte dagegen, Systeme wie Nutri-Score führten teils zu absurden Verzehrempfehlungen. Statt Bewertungssystemen blindlings zu folgen, brauche es mehr Ernährungsbildung, sagte Fraktionsvize Frank Sitta. Es verwies zudem darauf, dass das MRI ein eigenes Kennzeichnungsmodell "unabhängig von inhaltlichen Vorgaben unseres Ministeriums" entwickelt habe.

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