Umfrage: Hohe Zustimmungswerte für Nährwert-Logo Nutri-Score

Einstellen Kommentar Drucken

Die Mehrheit der Deutschen befürwortet einer Forsa-Umfrage zufolge eine Kennzeichnung von Lebensmitteln mit der Nährwertampel Nutri-Score. Der Nutri-Score liegt hier mit 37 Prozent Befürwortern nur knapp vor dem Modell der Ernährungsindustrie (36 Prozent).

In der Umfrage favorisierten vor allem jene den Nutri-Score, die besonders stark von Fehlernährung betroffen sind. Die Befragten mit geringem formalem Bildungsgrad und jene mit starkem Übergewicht bevorzugten demnach jeweils zu drei Vierteln den Nutri-Score.

Auch die Fragen, welche Kennzeichnung Verbrauchern als Entscheidungshilfe nutzen würden und welche es erleichtert, Produkte miteinander zu vergleichen, gehen klar zugunsten des Nutri-Score aus. Den "Wegweiser Ernährung" hingegen empfand ein besonders großer Anteil der Personen mit starkem Übergewicht als das kompliziertere Label. Kennzeichnungen wie der Nutri-Score führen den Verbraucher laut Tissen in die Irre. Für 72 Prozent ist dies sogar sehr wichtig.

Nun preschen die Verbände mit einer eigenen Befragung vor, die weitere Argumente für Nutri-Score liefert. Detaillierte Informationen auf der Vorderseite der Verpackung wie beim "Wegweiser Ernährung" waren den Menschen hingegen deutlich weniger wichtig (35 Prozent). Hans Hauner, Vorsitzender der Deutschen Diabetes Stiftung und Beiratsmitglied der Deutschen Adipositas-Gesellschaft.

Die knapp 1000 Teilnehmer einer Umfrage sprechen sich für den Nutri-Score aus. Die Nährwert-Ampel habe zuvor in mehr als 35 wissenschaftlichen Studien ihre Wirksamkeit bewiesen. Initiatoren sind unter anderem die Verbraucherorganisation Foodwatch, die Deutsche Diabetes Gesellschaft und die Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. "Die Politik muss diese wirksame Maßnahme für eine gesündere Ernährung endlich umsetzen".

Für die Umfrage hatte das Forsa-Institut 1003 repräsentative Verbraucherinnen und Verbraucher ausgewählt und ihnen online Lebensmittel mit den verschiedenen Kennzeichnungen gezeigt.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium kritisierte, dass Foodwatch eine Umfrage über zwei Modelle erheben lasse, "deren Methodik vollkommen im Unklaren bleibt".

Das Landwirtschaftsministerium hatte kürzlich eine eigene Verbraucherbefragung zur Nährwertkennzeichnung gestartet. Statt Ampelfarben und Nutri-Score auf unseren Lebensmitteln brauchen wir eine Kalorienangabe prominent auf der Packungsvorderseite.

In der Befragung des Ministeriums werden daneben noch zwei weitere Modelle getestet: Das "Keyhole"-Logo aus Skandinavien mit einem weißen Schlüsselloch auf grünem Grund, das nur Produkte mit günstiger Nährwertbewertung bekommen können".

Den "Wegweiser Ernährung" hat Julia Klöckner im Mai vorgelegt, das staatliche Max-Rubner-Institut hatte es in ihrem Auftrag entwickelt. Anders als beim Nutri-Score fehlt bei diesem "Waben"-Modell eine Einordnung in Ampelfarben. Doch im Ministerium wird mal wieder eher für die Lobbyverbände der Wirtschaft als für den Verbraucher gedacht". "Darüber hinaus verlangt das EU-Recht fundierte und wissenschaftlich haltbare Erkenntnisse der Verbraucherforschung", erklärte der parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel.

Die Entscheidung, welches Logo die Bundesregierung tatsächlich zur freiwilligen Nutzung auf Packungen empfiehlt, soll voraussichtlich im Herbst zwischen vier Modellen fallen. Die Organisationen forderten Ernährungsministerin Klöckner daher auf, im Kampf gegen Fehlernährung keine Zeit mehr zu verlieren und schnellstmöglich den Nutri-Score einzuführen.

Comments