Wirtschaft : AMS will Osram um 4,2 Mrd. übernehmen

Einstellen Kommentar Drucken

Allerdings wollte AMS vor dem endgültigen Angebot erst alle Osram-Zahlen im Detail prüfen. "Osram hat auf der Basis dieser vorläufigen Beurteilung beschlossen, in Verhandlungen über den Abschluss einer Zusammenschlussvereinbarung mit ams einzutreten". Tatsächlich hatte AMS dem Osram-Vorstand bereits am 29. Mai einen unverbindlichen Vorschlag unterbreitet, wurde jetzt bekannt.

Die OSRAM-Aktie schoss im XETRA-Handel schliesslich um 10,43 Prozent hoch auf 34,95 Euro.

Die Banken HSBC und UBS wollen das Angebot laut der Nachrichtenagentur Reuters mit 4,2 Milliarden Euro finanzieren, einen Teil davon will AMS später durch eine 1,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung ablösen, die von den Banken garantiert wird.

Die Transaktion würde einen weltweit führenden Anbieter von Sensorlösungen und Photonik mit einem Umsatz von rund 5 Milliarden Euro schaffen. Das Unternehmen selbst ist an der Börse etwas mehr als 4,1 Milliarden Schweizer Franken oder umgerechnet rund knapp 3,8 Milliarden Euro wert.

Zu den Besonderheiten des Übernahmepokers gehört auch, dass Mitte Juli Osram zunächst publizierte, dass AMS für 38,50 Euro einsteigen wolle. Dies teilte AMS am Sonntagabend überraschend mit. Ein Sprecher von Bain und Carlyle wollte sich zu dem drohenden Gegenangebot nicht äussern. Per Freitagabend lag die Annahmequote für die 35-Euro-Offerte bei 2,46 Prozent, wie einer aktuellen Wasserstandsmeldung der Bieter zu entnehmen ist. Doch Anleger sind skeptisch: Am vergangenen Freitag hat sich die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) gegen die Offerte ausgesprochen.

Die Interessenvertretung der Kleinaktionäre hält den gebotenen Preis von 35 Euro je Aktie für zu niedrig: "Der Barabfindungspreis ist aus Sicht der SdK jedoch nicht angemessen", hieß es in der Stellungnahme.

Allerdings können die Österreicher den Aktionären ihr Angebot nur mit dem Einverständnis von Osram vorlegen. Es läuft noch bis 5. September. Die US-Investoren haben sich jedoch selbst eine hohe Hürde gesetzt: Falls weniger als 70 Prozent der Aktionäre zustimmen, wollen sie die Übernahme abblasen.

Osram steht zum Verkauf, weil der Konzern in den vergangenen eineinhalb Jahren in schwieriges Fahrwasser geraten ist. Möglich seien dann "kleine Micro-LED-Displays mit kompletter Sensor-Display-Integration", die beispielsweise in Smart Watches zur Anwendung kommen könnten, oder miniaturisierte Lichtprojektoren oder der Einbau von Laser-Sensoren (LIDAR) in Front- und Rücklichtsystemen, für autonome Autos. Auch das Geschäft mit LEDs und Optoelektronik für Smartphones läuft schlechter. Die Betriebsrätin sagte: "Wir werden nicht zulassen, dass unsere Standorte und Osram zerschlagen werden". Die Arbeitnehmervertreter haben dagegen keine grundsätzlichen Einwände gegen das US-Angebot, Bain Capital und Carlyle haben den Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen zugesichert. Es gebe die Bereitschaft zu einer verbindlichen Vereinbarung mit Schutzklauseln und Zusagen für Mitarbeiter sowie weitere Investitionen in Deutschland, hieß es in der Mitteilung vom Sonntag.

Schon mehrfach ist AMS, zu dessen Kunden auch der US-Technologiekonzern Apple gehört, durch Übernahmen gewachsen. So sollen die jährlichen Aufwendungen um 240 Millionen Euro sinken. AMS erhoffe sich von der Übernahme ein Synergiepotenzial von rund 300 Millionen Euro.

Comments