Ausschreitungen in Hongkong:Polizei rückt gewaltsam in Flughafen ein

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Den zweiten Tag in Folge legen Demonstranten Hongkongs Flughafen lahm.

Zwar war der reguläre Betrieb am Morgen wieder angelaufen - allerdings mit deutlichen Einschränkungen. Später ging dann gar nichts mehr.

Zuvor hatten sich tausende Demonstranten am Flughafen zu Protesten versammelt. Wie der Flughafenbetreiber mitteilte, wurde von 16.30 Uhr (Ortszeit) an der Check-in-Service für alle restlichen Flüge des Tages eingestellt. Tausende Anhänger der regierungskritischen Protestbewegung errichten mit Gepäckwagen Barrikaden.

"Wir versuchen, auch heute die Flüge zu stoppen, und genau wie gestern blockierten wir den gesamten Abflugbereich, damit Besucher oder Menschen, die versuchen, Hongkong zu verlassen, nicht abreisen können", sagte ein Demonstrant am Dienstag. Die Hoffnung sei, dass die Regierung durch die Blockade viel Geld verlieren wird.

Regierungschefin Carrie Lam stellte sich trotz massiver Kritik der Demonstranten hinter die Sicherheitskräfte. Es hätte zahlreiche "illegale Aktivitäten im Namen der Freiheit" gegeben, sagte sie.

Die chinesische Regierung hat die Proteste sogar mit "Terrorismus" in Verbindung gebracht. Das schürt Sorgen, dass die Sicherheitskräfte demnächst härter durchgreifen könnten. Sie werfen ihr eine zu große Nähe zu China vor und fordern ihren Rücktritt.

Wegen der anhaltenden Proteste der Demokratie-Bewegung hat Hongkongs Airport sämtliche Abflüge für den Rest des Tages gestrichen. Das bestätigte die Flughafenverwaltung auf dpa-Anfrage. Das betraf vor allem Inlandsflüge und Flüge in der Region. Ähnlich war es etwa bei den Fluggesellschaften Emirates und Vorgin.

Bei Protesten Tausender Regierungskritiker im Flughafen Hongkong ist es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Yang Gang, der Sprecher der für Hongkong zuständigen Behörde, hatte den gewaltbereiten Demonstranten am Montag "erste Anzeichen von Terrorismus" vorgeworfen. Der Nachrichtensender Euronews verbreitete über YouTube einen Livestream, der offensichtlich Bilder aus der Schalterhalle zeigten. Von den zuvor Hunderten Demonstranten war der Großteil nicht mehr am Flughafen.

Die Flugblockade wurde am Abend wohl ebenfalls aufgehoben. Die Vorzeigeairline von Hongkong werde lediglich eine begrenzte Anzahl von Starts und Landungen durchführen, hiess es. Auch die Webseite des Airports verzeichnete wieder Flugbewegungen. Die Gewalt habe Hongkong in "Panik und Chaos" gestürzt. Das Unternehmen teilte mit, jeden "übermäßig radikalen" Angestellten von Flügen zu chinesischen Zielen ausschließen.

Nach einer Einschätzung des UNO-Menschenrechtsbüros in Genf haben die Sicherheitskräfte bei den Demonstrationen das Leben von Protestteilnehmern gefährdet.

Viele Demonstranten trugen Augenpflaster oder Augenklappen, um auf die schwere Augenverletzung einer Aktivistin aufmerksam zu machen, die bei Ausschreitungen am Wochenende von einem Gummigeschoss der Polizei getroffen worden war. Derzeit stünden in Hongkong zwei Lufthansa-Langstrecken-Jets. Betroffen sind Lufthansa-Verbindungen von München und Frankfurt sowie der Tochtergesellschaft Swiss nach Zürich, wie ein Konzernsprecher mitteilte.

Bereits in den letzten drei Tagen hatten Demonstranten am Flughafen gegen die Regierung demonstriert. Der Flugbetrieb verzögerte sich deshalb aber nicht groß. Denn zuletzt wurden die Proteste brutaler - immer öfter kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Aktivisten.

Hongkong kommt nicht zur Ruhe: In der einstigen britischen Kronkolonie gehen seit mehr als zwei Monaten immer wieder zehntausende Menschen auf die Straßen.

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