Zehntausende Menschen demonstrieren in Moskau - Überregionales

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Erwartet wurden zu der von den Behörden genehmigten Kundgebung bis zu 100.000 Teilnehmer. Laut erster Beobachtungen wurden gegen 16.30 Uhr Ortszeit rund 50.000 Demonstranten in Moskau gezählt. In Sankt Petersburg, Rostow am Don und Brjansk wurden nach Angaben der Bürgerrechtler weitere 99 Personen in Gewahrsam genommen. Führende Köpfe der Opposition sind weiter in Haft. Zudem sind in Russland noch Ferien und viele Menschen deshalb im Urlaub. Die EU und die USA hatten Russland für das brutale Vorgehen gegen Aktivisten bei den jüngsten Protesten kritisiert. In sozialen Netzwerken hatten Videos von Polizeigewalt gegen Demonstranten großes Entsetzen ausgelöst. Massenhafte Festnahmen blieben aber diesmal aus.

Massenproteste in Russlands Hauptstadt: in Moskau sind zehntausende Menschen für freie Wahlen auf die Straße gegangen. Die Zahl der Festnahmen stieg im Laufe des Abends immer weiter an.

Nach der genehmigten Demonstration versammelten sich einige Protestler zu einer weiteren Aktion in der Nähe der U-Bahn-Station "Kitai-Gorod".

Teilnehmern drohen Anklagen wegen Anstiftung zu Massenunruhen, die mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden können. Die Opposition sprach von Einschüchterungsversuchen. Sie forderte bei der Kundgebung auch, die Vorwürfe wegen Aufrufen zu Massenunruhen fallen zu lassen.

Die Opposition will erreichen, dass alle Kandidaten zur Stadtratswahl in vier Wochen zugelassen werden. Regierungskritikerinnen und -kritiker sind dort wegen angeblicher Formfehler bei ihren Registrierungsanträgen nicht zugelassen. Das betrifft etwa den Kreml-Kritiker Ilja Jaschin, der ebenso im Arrest sitzt wie Alexej Nawalny, der die Proteste organisiert hatte. Viele populäre Blogger teils mit Millionen Followern riefen zur Teilnahme auf. Auf der Protestbühne traten auch die in Deutschland bekannte Schriftstellerin Ljudmila Ulizkaja sowie Journalisten auf. Erneut war der Mobilfunk weitgehend lahmgelegt: Telefonate oder das Nutzen mobilen Internets waren nicht möglich.

Die Kundgebung am Samstag in der russischen Hauptstadt war die größte seit vielen Jahren.

Bei nicht erlaubten Protesten waren an den beiden vergangenen Samstagen mehr als 2000 Menschen vorübergehend festgenommen worden.

"Wir haben hier die Macht!", riefen die Menschen etwa. Der 21-jährige Politikwissenschaftsstudent und Videoblogger wollte bei den Wahlen im September kandidieren, zog aber seine Bewerbung zurück und unterstützte einen oppositionellen Politiker. Die Tageszeitung "Wedomosti" hingegen räumte ein, dass sich ein "Großteil der Gesellschaft" durch das Regierungssystem unter Präsident Wladimir Putin "nicht repräsentiert" sehe.

Am Rande der Demonstration bezogen Hundertschaften von Uniformierten in Schutzwesten, mit Schlagstöcken und Helmen Stellung. Vor den Personenkontrollen der Polizei kam es zu langen Staus. Menschen mussten zeitweilig warten, um überhaupt zum Versammlungsort zu gelangen. Unter ihnen waren viele junge Menschen, aber auch Eltern mit ihren Kindern und Ältere - besorgte Bürger Moskaus.

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