Hongkongs Flughafen streicht alle Abflüge wegen Protesten | Politik

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Ein Flugbegleiter, der sich an seinem freien Tag an den Protesten am Flughafen beteiligte, nannte das harte Vorgehen der Polizei befremdlich.

Aus Wut über immer brutalere Polizeigewalt hat Hongkongs Protestbewegung den Betrieb auf dem Flughafen der Stadt zum Erliegen gebracht.

Wegen der anhaltenden Proteste der Demokratie-Bewegung hat Hongkongs Flughafen am Montag den Flugbetrieb eingestellt. Sowohl ein Lufthansa-Flug um 23 Uhr nach München als auch ein späterer um 23.15 Uhr nach Frankfurt wurden abgesagt. Die Entscheidung gelte zunächst nur für diesen Montag, die Lage müsse in den Folgetagen jeweils neu bewertet werden. Der Hongkonger Flughafen zählt zu den wichtigsten Drehkreuzen der Welt. Dort stünden derzeit zwei Lufthansa-Langstrecken-Jets. Wie der Flughafen mitteilte, wurde der Check-in für die verbleibenden Flüge wegen ernsthafter Störungen des Betriebs ausgesetzt. Den betroffenen Passagieren bietet das Unternehmen kostenfrei Umbuchungen an.

Die überwiegend schwarz gekleideten Aktivisten skandierten Parolen und zeigten Bilder von Polizisten, die mit Schlagstöcken und Tränengas gegen die Demonstranten vorgegangen waren. Die Polizei solle einem Demonstranten, der durch ein Gummigeschoss schwer im Gesicht verletzt worden war, sein Auge "zurückgeben". In der Nachbarstadt Shenzhen wurden einem Bericht der amtlichen Zeitung "Global Times" zufolge Einheiten der bewaffneten Volkspolizei für eine Übung zusammengezogen. Zugleich warnte die Regierung in Peking, die Gewalt bei den Demonstrationen in der chinesischen Sonderverwaltungszone zeige erste Zeichen von Terrorismus. In Hongkong selbst führte die Polizei demonstrativ einen Wasserwerfer vor. In den letzten Tagen hätten "radikale Demonstranten" wiederholt Polizisten mit "äußerst gefährlichen Werkzeugen" angegriffen. Yang Gang, der Sprecher der für Hongkong zuständigen Behörde, warf gewaltbereiten Demonstranten "erste Anzeichen von Terrorismus" vor.

Das Auswärtige Amt in Berlin riet Hongkong-Reisenden, Demonstrationen und Menschenansammlungen weiträumig zu meiden und den Anweisungen lokaler Sicherheitskräfte zu folgen. Am Wochenende war es in der Finanzmetropole erneut zu heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die "Kriminellen" müssten so schnell wie möglich vor Gericht gebracht werden, sagte der Sprecher weiter. Auch in den U-Bahn-Stationen feuerten die Beamten mit Tränengas, unter den Demonstranten gab es mehrere Verletzte. Ursprünglicher Auslöser war ein - später auf Eis gelegtes - Auslieferungsgesetz, das die Überstellung von Verdächtigen an Festland-China erlaubt hätte. Viele Menschen befürchten einen zunehmenden Einfluss Pekings auf das Leben in der Finanzmetropole und fordern demokratische Reformen.

Durch die Proteste werde der Flugverkehr "ernsthaft gestört", begründete die Verwaltung das Streichen aller Flüge.

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