Trump: USA erhöhen Druck auf Deutschland: Drohung oder eher Versprechen? | Politik

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Der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider widerspricht ihm mit scharfen Worten. Grenells Äußerungen seien "unter Verbündeten völlig unangemessen", sagte Schneider dem "Spiegel". Deutschland lasse sich nicht erpressen und außerdem: "Die Feldherrenpose nutzt sich ab".

US-Botschafter Richard Grenell wird in Berlin, wie es exklusive Einsichten des Hamburger Investigativmagazins nahelegen, regierungsintern wie eine Nervensäge behandelt.

Die beiden Diplomaten hatten zuvor eine Truppenverlegung von Deutschland nach Polen erwogen.

Grenell hatte Deutschland zuvor einmal mehr wegen der aus US-Sicht zu niedrigen Verteidigungsausgaben angegriffen: "Es ist wirklich beleidigend zu erwarten, dass der US-Steuerzahler weiter mehr als 50.000 Amerikaner in Deutschland bezahlt, aber die Deutschen ihren Handelsüberschuss für heimische Zwecke verwenden".

Polen erfüllt seine Zahlungsverpflichtung von zwei Prozent des BIP gegenüber der Nato.

Immer offensiver werden die deutschen Verteidigungsausgaben als Grund für einen möglichen Truppenabzug ins Spiel gebracht. Weniger bekannt, aber ebenso wichtig: das Miesau Army Depot, größtes Munitionslager der US-Landstreitkräfte außerhalb der USA, das nur etwa 15 Kilometer von Ramstein entfernt liegt.

Deutschland riskiert sein wichtigstes Bündnis! Militärisch-strategisch sei es "kaum sinnvoll" die US-Truppen weiter nach Osten zu verlegen. Seit Jahrzehnten räumt sie der US-Armee viele Vorteile wie Steuerfreiheit für zivile Mitarbeiter ein, zudem musste Washington die Grundstücke für die riesigen Lager oder die Wohngebäude für tausende Soldaten nicht kaufen, sondern bekam sie geschenkt.

Die Bayerische Staatsregierung hat nach den Drohungen der USA demonstrativ ihre Freundschaft mit den Nordamerikanern betont. "Wenn die Amerikaner ihre Soldaten abziehen, sollten sie ihre Atomwaffen mitnehmen". Grenell kündigte im September sogar noch eine Aufstockung um 1500 Soldaten an. Die Kommandozentralen für die US-Truppen in Europa und Afrika sind in Stuttgart. Allerdings dürfte das Pentagon bei seinen Analysen zu dem Ergebnis kommen, dass ein massiver Abzug aus Deutschland vor allem für ein Land teuer würde - für die USA.

Präsident Trump hat Recht und Georgette Mosbacher hat Recht. Der FDP-Außenexperte Alexander Graf Lambsdorff sagte, es sei "kein guter Umgang miteinander, die Interessen von Alliierten gegeneinander auszuspielen". "Die Bundesregierung sollte dieses Angebot unbedingt annehmen und mit den USA einen Plan für den Truppenabzug besprechen", sagte Bartsch dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". "Der US-Botschafter hat Recht: Die Steuerzahler in den USA sollten nicht für US-Truppen in Deutschland zahlen müssen".

Berlin/Warschau - Kurz vor den geplanten Europa-Reisen von US-Präsident Donald Trump verschärfen die USA ihre Drohungen mit einem Teilabzug ihrer Truppen aus Deutschland. Auf die Frage nach einer Verlegung von Soldaten nach Polen sagte er lediglich, Polen sei ein enger Freund der Vereinigten Staaten. Das sei etwas anderes als die "dummen Abkommen" mit anderen Ländern, die die USA nur ausnutzten.

Linkenfraktionschef Dietmar Bartsch freut sich über die Drohung von US-Botschafter Richard Grenell, die Truppen aus Deutschland abzuziehen. Dazu kommen 17.000 amerikanische und 12.000 deutsche Zivilisten, die für die US-Truppen arbeiten.

Deutschland liegt bei den Verteidigungsausgaben mit angestrebten 1,36 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr weit unter dem Nato-Ziel von zwei Prozent und wird dafür von US-Präsident Donald Trump regelmäßig scharf kritisiert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. August 2019 um 09:00 Uhr.

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