Der Tag:Mädchen will sich in Knabenchor klagen

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Ein neunjähriges Mädchen träumt davon, in den Berliner Staats- und Domchor einzutreten. Über den Fall hatte zuerst der RBB berichtet.

Diese Geschichte scheint etwas verzwickt: Eine Neunjährige will sich in den nur mit Jungen besetzten Berliner Staats- und Domchor klagen.

Bei dem Staats- und Domchor zu Berlin handelt es sich laut Aussage der UdK um die älteste musikalische Einrichtung Berlins. 1923 übernahm die Staatliche Hochschule für Musik (heute: Universität der Künste, UdK) die künstlerische Aufsicht über den Chor, der bislang ein reiner Knabenchor ist. Das Mädchen hatte demnach bis Januar 2018 im Kinderchor der Komischen Oper Berlin und von Februar 2018 bis August 2018 in der Domsingschule in Frankfurt am Main gesungen.

Knabenchöre werden wegen möglicher Diskriminierung ein Fall fürs Gericht.

Bei einem Vorsingen im März hatte die Auswahlkommission das Mädchen abgelehnt. Als Begründung sei unter anderem genannt worden, ihre Motivation für einen Einstieg in den Domchor genüge nicht. Zudem fehle es an einer Grundlage für eine Ausbildung. Nicht zuletzt bestünden Zweifel an einer vertrauenvollen Zusammenarbeit mit den Eltern, was aber Grundlage für die persönliche Ausbildung einer Kinderstimme sei.

Die Mutter hingegen führt die Nichtaufnahme ihrer Tochter in den Chor auf eine Zugangsbeschränkung für Mädchen zurück.

Nach Ansicht der Klägerin verletzt die Ablehnung des Mädchens den Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe an staatlichen Leistungen und staatlicher Förderung.

Aus Sicht des Chors geht die Ablehnung nicht hauptsächlich auf ihr Geschlecht zurück. Sie wäre aufgenommen worden, wenn sich die Auswahlkommission von außergewöhnlicher Begabung, hoher Leistungsmotivation und entsprechender Kooperationsbereitschaft der Erziehungsberechtigten hätte überzeugen können und wenn die Stimme dem angestrebten Klangbild eines Knabenchores entsprochen hätte. Zwischen Mädchen- und Bubenstimmen bestünden anatomische Unterschiede, was zu differenzierten Chorklangräumen führe. Die hierauf zurückzuführende Ablehnung von Mädchen sei durch die Kunstfreiheit gerechtfertigt, hieß es weiter.

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