Wohnungsmarkt: Warum in Metropolen zu wenig gebaut wird

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Es wird schlicht zu wenig gebaut, zeigt jetzt erneut eine Studie - so weit bekannt.

Etwa 20 Prozent über dem ermittelten Bedarf liegen danach auch die Stadt Suhl, der Wartburgkreis sowie der Kreis Sonneberg und das Altenburger Land. Dort wird mittlerweile zu viel neu gebaut, stellen die Autoren zugleich fest. Der jährliche Bedarf an Neubauwohnungen in der Stadt Bremen ist seit 2016 zu 86 Prozent gedeckt, heißt es in der Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.

Für die Studie haben die Autoren die Zahl der von 2016 bis 2018 fertiggestellten Wohnungen verglichen mit dem Bedarf, den sie anhand von Faktoren wie Bevölkerungsentwicklung und Wohlstand schätzten. Auf dem Land sehe es dagegen anders aus. In Düsseldorf wurde der Bedarf der Studie zufolge zwar ebenfalls nicht gedeckt, bei einem Anteil von 85 Prozent sah es aber besser aus - knapp 2700 Wohnungen wurden im Schnitt per Jahr fertiggestellt, mehr als 3100 wären nötig gewesen. Nur etwas besser war die Lage in München mit 67 Prozent sowie Berlin und Frankfurt am Main mit 73 beziehungsweise 78 Prozent.

Wohnungsmangel in den Metropolen und ein Überangebot auf dem Land: Damit spiegelt die Lage in Niedersachsen das Bild wider, das die Studienautoren Ralph Henger und Michael Voigtländer auch bundesweit zeichnen. Wegen Neubaugebieten vor den Türen von Kleinstädten würden Stadt- und Dorfzentren an Bedeutung verlieren.

Während die Mieten in den Großstädten immer weiter steigen und dringend neue Wohnungen benötigt werden, gibt es in vielen ländlichen Regionen eine völlig andere Entwicklung: In vielen Regionen Sachsen-Anhalts werden einer Studie zufolge zu viele neue Wohnungen gebaut. Als Gründe gelten der starke Zuzug in die Städte, das knappe Personal in Bauämtern, strenge Vorschriften und der Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft. "Man kommt mit dem Bauen nicht hinterher", sagte Henger.

Die Städte müssten sich anstrengen, um die Mietenentwicklung zu bremsen, mahnen die Autoren. Entscheidend hierfür sei in den Metropolen die Bereitstellung von Bauland, um Investoren anzulocken. Zudem sollten mancherorts alte Gebäude umgebaut werden, anstatt neue zu errichten. "Obwohl es auf dem Land viel Leerstand gibt, entstehen relativ viele Neubauten, die bevorzugt werden, obwohl Umbauten im Altbestand vielerorts sinnvoller sind", sagte Henger. "Kommunen auf dem Land fernab der Metropolen sollten ein besseres Flächenmanagement betreiben, um attraktiv zu bleiben und Leerstände in der Ortsmitte zu vermeiden". In einem Drittel der deutschen Kreise sollte "die Bautätigkeit im Neubau gebremst werden, um ein Überangebot zu vermeiden", heißt es in der Studie. Der Grundsatz "Umbau vor Neubau" sollte stärker beachtet werden.

In den Jahren 2019 und 2020 werden den Angaben zufolge in ganz Deutschland je 342.000 neue Wohnungen benötigt, um den Bedarf zu decken. Auch in Gera, wo derzeit über den Rückkauf von Wohnungen durch die öffentliche Hand verhandelt wird, passt das Angebot von 143 fertiggestellten Wohnungen nicht zum Bedarf von 369 Wohnungen. Dieser Wert dürfte sich dieses Jahr nicht deutlich verändern, die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage bleibt also groß. Hauptgrund hierfür: Die zu erwartende sinkende Zuwanderung, die nicht dauerhaft auf einem Niveau von mehr als 400.000 Menschen pro Jahr bleiben dürfte.

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