Todesstrafe wurde ausgeschlossen:"El Chapo" muss Rest seines Lebens ins Gefängnis

Einstellen Kommentar Drucken

Ein Gericht in New York hat den mexikanische Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán dazu verurteilt, den Rest seines Lebens in einem US-Gefängnis bleiben zu müssen. Per Zug schmuggelte die Drogenbande rund um die Jahrtausendwende Tonnen an Kokain in die USA: In den doppelten Wänden der Tankwaggons, die offiziell Öl lieferten, waren die Rauschgiftpakete versteckt.

Das Gericht ordnete zudem an, Milliardeneinnahmen aus Guzmans Drogengeschäften zu beschlagnahmen. Damit folgte das Gericht den Forderungen der Anklage. Sie hatte vergangene Woche argumentiert, Guzman sei ein "erbarmungsloser und blutrünstiger Anführer des Sinaloa-Kartells" gewesen.

Darunter: Führung einer kriminellen Vereinigung, Verschwörung zur Herstellung und Verteilung von 1200 Tonnen Kokain, mehr als 200 Kilogramm Heroin, großen Mengen Methamphetamin und mehr als 49 Tonnen Marihuana, internationaler Kokainvertrieb, Geldwäsche und rechtswidriger Einsatz einer Schusswaffe zur Ausübung von Drogenhandelsdelikten.

Guzman galt als mächtigster Drogenbaron seit dem Kolumbianer Pablo Escobar. Für Schlagzeilen sorgte er auch durch zwei spektakuläre Gefängnisausbrüche. Die nach Bundesgesetz zulässige Todesstrafe war nach einer Einigung zwischen den USA und Mexiko, von wo aus Guzmán nach seiner Festnahme ausgeliefert worden war, von vorneherein ausgeschlossen. Dort begann im November sein Prozess. Es gilt als wahrscheinlich, dass Guzmán nun in ein Hochsicherheitsgefängnis im US-Bundesstaat Colorado verlegt wird. Aufgrund seiner isolierten Lage und der rigorosen Sicherheitsvorkehrungen trägt die Haftanstalt auch den Beinamen "Alcatraz der Rockies" - in Anspielung auf die berüchtigte Gefängnisinsel vor San Francisco. Die ersten öffentlichen Äußerungen seit seiner Auslieferung in die USA dürften zugleich die letzten gewesen sein.

Er habe keinen fairen Prozess bekommen, kritisierte Guzmán, der im Prozess zuvor nicht das Wort erhoben hatte, US-Medienberichten zufolge anschließend. Er beklagte sich ausserdem über die Haftbedingungen und bezeichnete sie als "psychologische Folter 24 Stunden am Tag". Bevor er abgeführt wurde, warf Guzmán, der in einem grauen Anzug erschienen war, seiner Frau Emma Coronel Aispuro, die unter den Zuschauern im Gerichtssaal war, einen Luftkuss zu. Guzman hatte in seiner Heimat ein gutes Image, weil er auch Arme unterstützte. Er soll verantwortlich sein für den Tod von mindestens 26 Menschen, die er ermorden ließ oder selbst umbrachte. Zu seinen Opfern zählten Informanten, Mitglieder verfeindeter Drogenkartelle, Polizisten und sogar seine eigenen Verwandten. In Mexiko gelang es dem Ex-Drogenboss bereits zwei Mal, aus dem Gefängnis auszubrechen: 2001 entkam er in einem Wäschekorb und 2015 durch einen Tunnel, den Komplizen bis unter seine Zelle gegraben hatten. Nach Angaben der New Yorker Staatsanwältin Bridget Brennan nimmt das Sinaloa-Kartell weiterhin die führende Rolle beim Drogenschmuggel in die Vereinigten Staaten ein.

Comments