Deutschland - SAP bekommt Handelskrieg zu spüren

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Der Softwarekonzern SAP verändert sein Geschäftsmodell. Heuer sei wegen der Belastungen durch ein Abfindungsprogramm und Kosten für die jüngste Firmenübernahme noch nicht mit einem ganzen Prozentpunkt mehr Rendite zu rechnen, erklärte Finanzvorstand Luka Mucic am Donnerstag gegenüber Reuters. Der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China bremste das Asiengeschäft.

Nach dem von Konzernchef Bill McDermott versprochenen Anstieg der operativen Marge über die kommenden Jahre enttäuschte die zuletzt insgesamt lediglich stabil gebliebene Profitabilität spürbar: Die in den vergangenen Monaten stark gelaufene Aktie rutschte nach Handelsbeginn um 10 Prozent ab, der Handel wurde sogar kurzzeitig unterbrochen. Am Mittag notierte sie knapp sechs Prozent im Minus und zog den gesamten Dax mit nach unten.

Der global führende Hersteller von Software zur Unternehmensführung arbeitet schon seit rund einem Jahrzehnt daran, sich vom reinen Lizenzverkäufer zum Anbieter von Software-Abos über das Internet zu wandeln. Der Umsatz in der Cloud wuchs um 40 Prozent, aber Auftragseingänge verlangsamten sich. In diesem Jahr wagte sich SAP wieder an ein konkretes Renditeziel heran und versprach, bis 2023 jedes Jahr einen Prozentpunkt draufzupacken. Der Umsatz soll zugleich um rund zehn auf 35 Milliarden Euro schnellen, so dass der Dax-Konzern ein Betriebsergebnis von zwölf Milliarden Euro erreichen würde. SAP müsse jetzt liefern, forderten Analysten etwa von J.P. Morgan Cazenove oder HSBC.

Dass die Softwareschmiede daran arbeitet, zeigt Mucic zufolge die stetige Verbesserung der Bruttomarge beim Cloud-Geschäft, die im abgelaufenen Vierteljahr um gut vier Prozentpunkte auf 68 Prozent kletterte.

Die Tatsache, dass das SAP-Management Fortschritte bei der Margenentwicklung hervorhebt, kann indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass die operativ bereinigte Nettorendite bei 27,3 Prozent stagniert. Ob SAP sein Gewinnversprechen hält, verfolgt seit kurzem auch der neue Aktionär Elliott. Für Experte Knut Woller von der Baader Bank sind aber die Jahresziele des Konzerns nicht in Gefahr, hier sei SAP auf Kurs.

Im zweiten Quartal hinterließ abermals der Abschied von tausenden älteren SAPler seine Spuren in der Bilanz.

Unterm Strich stand ein Betriebsergebnis von 827 Millionen Euro und ein Gewinn nach Steuern in Höhe von 582 Millionen Euro. Auch die Auszahlung von Aktienboni an Beschäftigte des zuletzt übernommenen, milliardenteuren Unternehmens Qualtrics nagten am Ergebnis. Bereinigt um solche Sonderfaktoren verbesserte sich der operative Gewinn hingegen um elf Prozent auf 1,82 Milliarden Euro und lag damit etwas unter der Erwartung von Analysten.

Auch beim Rivalen IBM brummt das Cloud-Geschäft, was aber den Umsatzrückgang in anderen Sparten nicht ausgleichen konnte, wie der US-Konzern am Mittwoch mitteilte.

Der Weltmarktführer für Software zur Unternehmenssteuerung tauscht mit der Umstellung vom traditionellen Lizenzverkauf auf Abonnement-Produkte auch einen Teil der Belegschaft aus. Die älteren SAPler in Deutschland hätten besonders viel Interesse an dem Abfindungsprogramm, erklärte Finanzchef Mucic. SAP legte noch einmal knapp 200 Millionen Euro dafür beiseite, damit summieren sich die Kosten in diesem Jahr auf knapp 1,1 Milliarden Euro.

Im ersten Quartal sorgten die Kosten für das Programm von fast 900 Millionen Euro zum ersten Mal seit knapp 17 Jahren für einen Quartalsverlust. McDermott rechnet aber damit, dass die verschobenen Projekte der SAP-Kunden noch realisiert werden. Der Betriebsgewinn soll währungsbereinigt um 9,5 bis 12,5 Prozent auf 7,85 bis 8,05 Milliarden Euro steigen. "Wir sind sehr zuversichtlich über 2019", unterstrich McDermott.

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