Die EU-Kommission leitet eine Untersuchung gegen Amazon ein

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Laut Handelsverband exportieren heimische KMU-Händler Produkte im Wert von rund 300 Millionen Euro über den Amazon-Marktplatz. Ärger droht Amazon aber noch von Seiten der EU-Wettbewerbshüter. Es geht um mögliche illegale Geschäftspraktiken. Wegen eines deutschen Verfahrens knickt der Konzern unterdessen ein und kündigt Änderungen an.

Der US-Konzern Amazon ändert auf Druck des Bundeskartellamts seinen Umgang mit Händlern, die über sogenannte Amazon-Marktplätze ihre Produkte verkaufen. Bisher wurde von Amazon nur der Gerichtsstand Luxemburg Stadt akzeptiert, künftig werden auch andere Verfahrensorte zulässig sein. Denn Amazon habe als Plattform eine doppelte Funktion, hieß es.

Beim Geschäft mit Drittanbietern allerdings sammelt Amazon offenbar sensible Informationen über die Marktplatzhändler, ihre Produkte und die Transaktionen auf der Plattform. Zudem könnte es sich möglicherweise auch um die nicht erlaubte missbräuchliche Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung durch Amazon handeln.

Amazon sammelt laufend Daten über die Produkte der anderen Anbieter und das Kundenverhalten. Bisher hatte Amazon nach Angaben des Kartellamts ein unbeschränktes Recht zur sofortigen Kündigung und der sofortigen Sperrung von Konten der Händler - Gründe musste der US-Konzern hierbei nicht angeben. Bei außerordentlichen Kündigungen und Sperrungen muss Amazon die Händler nun informieren und dies begründen. Künftig soll Amazon wie die Händler auch für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit sowie bei Verletzung wesentlicher Vertragspflichten haften. Die Änderungen werden zum 16. August 2019 wirksam. Das neue Verfahren in Brüssel zielt einer Kommissionssprecherin zufolge nun auf Bereiche ab, die im deutschen Verfahren nicht abgedeckt waren. Es wurde kritisiert, dass Amazon Verkäufe von Amazon als Händler (Amazon Retail) gegenüber den Verkäufen von Marktplatzhändlern in dieser Hinsicht bevorzugen würde, insbesondere weil über Drittanbieter eingeholte Produktbewertungen von der Plattform entfernt werden.

"Für die auf den Amazon-Marktplätzen tätigen Händler haben wir mit unserem Verfahren weltweit weitreichende Verbesserungen erwirkt", erklärte der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt. Selbst bei spürbaren Gebührenerhöhungen durch Amazon würden die meisten Händler den Marktplatz nicht wechseln. Die Kommission will nun prüfen, welche Rolle Daten bei der Auswahl von Händlern spielen, die den Platz in der Kauf-Box bekommen. Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission prüfen seit 2018 ebenfalls, ob der Konzern Händler auf seiner Plattform benachteiligt. Wir müssen sicherstellen, dass große Online-Plattformen diese Vorteile nicht durch wettbewerbswidriges Verhalten aushebeln.

Neben den Protesten von Greenpeace gab es noch weitere Menschen, die am Amazon Prime Day auf die Straßen gingen, um gegen das Unternehmen zu demonstrieren. Sollte die EU-Kommission letztlich illegales Verhalten feststellen, kann sie Strafen in Milliardenhöhe verhängen.

Deutschlands oberste Wettbewerbshüter stellen das Missbrauchsverfahren gegen Amazon ein.

Amazon erklärte, das Unternehmen werde bei der Untersuchung "vollständig mit der Europäischen Kommission kooperieren". Gleichzeitig bekräftigte der Konzern das Ziel, "Firmen aller Größen zu unterstützen und ihnen beim Wachstum zu helfen".

Amazon ist der weltgrößte Internethändler.

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