"Episch" - Stimmen und Fakten zum Wimbledon-Finale

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Mit 7:6 (7:5), 1:6, 7:6 (7:4), 4:6 und 13:12 (7:3) - erstmals in diesem Jahr wurde in Wimbledon der fünfte Satz bei 12:12 im Tiebreak entschieden - rang der 32-Jährige den Ranglistendritten aus der Schweiz nieder.

Federer hatte diesen Stimmen keine Beachtung geschenkt, dachte nicht ernsthaft an ein Karriereende, obwohl er niemandem mehr etwas beweisen musste. In einem Final, der alles beinhaltete, sorgte eine Premiere in der Geschichte des Turniers für die Entscheidung. Viel mehr ließ er in diesem Moment nicht an Emotionen erkennen. Doch 24 Stunden später beantwortete er die Frage, ob er noch genügend Sprit im Tank habe, lächelnd mit den Worten: "Jede Menge". Djokovic rückte jetzt mit seinem insgesamt 16. Titel bei einem der vier größten Tennis-Turniere bis auf zwei Trophäen an Rafael Nadal und auf vier an Federer heran.

Und wer weiss, ob Federer und Djokovic sich nicht noch ewig duelliert hätten, wäre auf dieses Jahr hin nicht die Regel eingeführt worden, bei 12:12 im 5. Satz ein Tiebreak zu spielen. Darunter auch zwei, deren Duelle in Wimbledon er als Bub vor dem Fernseher aufgeregt verfolgt hatte: Boris Becker und Stefan Edberg. Herzogin Kate sagte in den Katakomben: "Das war beeindruckend".

Was die königlichen und alle bürgerlichen Gäste in den nächsten knapp fünf Stunden zu sehen bekamen, steckte voller falscher Fährten und trügerischer Dominanz. "Ich werde versuchen, es zu vergessen", sagte Federer im Interview auf dem Platz und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Viele hätten "König Roger" den Pokal gegönnt, es war ein atemberaubendes Match, in dem sich Djokovic als Meister des Tiebreaks präsentierte. Allerdings gab er auch zu: "Momentan tut es weh. Das war das aufregendste Finale in Wimbledon, in dem ich je gespielt habe, es fühlt sich alles surreal an", sagte Djokovic, der zum zweiten Mal in seiner Karriere den Pokalcoup wiederholte, so wie schon 2014 und 2015, als er jeweils gegen Federer gewann. Der Serbe triumphiert zum fünften Mal - auch, weil er sich während des Gigantenduells selbst überlistet. "Ich habe mir vorgenommen, möglichst viel um mich herum auszublenden", sagte Djokovic und fügte an: "In kritischen Momenten muss man sich einreden, der bessere Spieler zu sein und dass es einen Grund dafür gibt, warum man im Finale steht". Djokovic holte sich eine 4:2-Führung, Federer konterte aber sofort. Natürlich nicht. Nicht bei diesen beiden und nicht in dieser Partie, die nur eine einzige Konstante kannte: Das gloriose Wechselspiel.

Spanien - Marca: "Ein Finale zweier Legenden, zwei Mythen und der fünfte Wimbledon-Titel für Djokovic". Mehrmals fehlten dem Titelverteidiger aus Serbien nur noch zwei Punkte zum Sieg, doch wieder reagierte er nervös, als es so aussah, als sei er im Vorteil. Der Schweizer servierte gut, doch Djokovic antwortete mit einem bis heute unvergesslichen Vorhandwinner. Nicht zu fassen, das alles.

Das Finale der beiden Tennisgiganten, die 48. Auflage von Federer kontra Djokovic, war eine schwer ausrechenbare Angelegenheit. Keine geballte Faust, keine Flugstudien auf dem Rasen - Djokovic ging einfach zum Netz, schüttelte Federer die Hand und verspeiste ein bisschen Gras. Doch am Ende eines historischen, nervenzehrenden Tages auf dem berühmtesten Centre-Court der Welt hatte Novak Djokovic (33) seinen kostbaren Titel im grünen Tennisparadies mit eiserner Willensstärke verteidigt und so die emotional berührende Rekordjagd von Altmeister Roger Federer gestoppt. Wieder stopfte er sich hinterher ein paar Grashalme in den Mund. "Ich habe das Gefühl, dass ich eine unglaubliche Möglichkeit verpasst habe", sagte der Schweizer. "Das war verrückt", wirkte er ebenso stolz wie gerührt.

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